Sind wir des Warensinns?

Über strukturelle Voraussetzungen eines hinreichenden Bedürfnisses zur Verbraucheraufklärung

marxhandy

Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen.
Theodor W. Adorno  Minima Moralia, Reflexionen aus dem beschädigten Leben
„… der Kapitalismus ist schon in der Grundlage aufgehoben durch die Voraussetzung, daß der Genuß als treibendes Motiv wirkt, nicht die Bereicherung selbst.
Marx: Das Kapital, MEW Bd. 24, S. 123

Bei der Suche nach Antworten auf Fragen nach strukturellen Hintergründen einer bornierten „Geiz ist geil“  Moral gehören Marx Ansichten des Fetischcharakters der Ware“ auf den Tisch, der  „sobald er als Ware auftaucht, auf dem Kopf zu stehen scheint und aus seinem Holzkopf heraus Grillen entwickelt“.

In der Regel müssen moderne Bürger von Welt das zum guten Leben Notwendige weder eigenhändig der Natur ihrer unmittelbaren Umwelt abtrotzen noch müssen sie für die sozialen bzw. ökologischen Kosten gerade stehen, die das Abtrotzen mit sich bringt. Die Kaufkräftigen aller Länder scheinen auf Ewig von der Sorge befreit, ob und wie sie es schaffen, die Kräfte der Natur für die eigenen Nachkommen zu bewahren oder anzureichern. Stets volle Regale bieten keinen Anlass, sich um die Zukunftsfähigkeit der Naturkräfte zu sorgen, die das Begehrte auf ewig zuverlässig bereit zu stellen scheinen.

Auch der kleine Bürger-König-Kunde von der Straße profitiert – zunächst- von Überfischung, Bodenverwüstung oder dem Raubbau an menschlicher Arbeitskraft. Aus Sicht eines Großeinkäufers, Weiterverarbeiters oder Endverbrauchers scheinen unangenehme Folgen der Übernutzung von Naturkräften auszubleiben, solange sie durch die Erschließung immer neuer Quellen des Wohlstandes kompensiert werden können. Natürliche Grenzen des „Nachwachstums“ scheinen aufgehoben.

Endstation Warensinn?

Die vom Politikwissenschaftler Francis Fukuyama geäußerte Vorstellung vom „Ende der Geschichte“ lebt möglicherweise von dieser Illusion. Warenverkehr versetzt das moderne Bewusstsein in in eine bequeme Lage. Das Losgelöstsein von der Last der Wahrnehmung unangenehmer Voraussetzungen oder Wirkungen des Konsumierens bestimmt offenbar auch den Horizont des philosophischen Zeitgeist, der nicht sieht, dass häufig kein Gras, (Regenwald oder Fisch) mehr nachwächst, wo menschlicher Fortschritt auftritt und sich das unbekümmert als ewiger Kreislauf vorgestellte „Ende der Menschheitsgeschichte“ in einer ökologischen Abwärtsspirale bewegt.

Vielleicht war Karl Marx hier doch weitsichtiger. Für ihn beginnt (!) die Geschichte der Menschheit erst, wenn die entscheidenden Fragen des „Was?“, „Wer?“, „Wo?“, „Wie?“, Wieviel?“, „Wem?“ und „Warum?“ der Produktion – im Großen und Ganzen – in gemeinsamen Abwägungsprozessen entschieden werden können und müssen. Nur in so weit die Menschen die Freiheit besitzen, sich gegenseitig zu nötigen, die soziale und ökologische Vernunft (Verträglichkeit, Nachhaltigkeit) der beabsichtigten Produktionsziele und -methoden zu belegen, kann von einer wirklich gemeinsam handelnden „Menschheit“ die Rede sein. Wie viel Marktwirtschaft zur Herstellung einer solcherart gemeinsam handelnden Menschheit möglich oder auch notwendig ist, mag dahin gestellt sein. Fest steht: Solange eine in ihrer sozialen und ökologischen Wirkung weitgehend blinde Konkurrenz (und damit vor allem die Einsparung von Arbeitsaufwand) die Entscheidungen der Menschen über den Erfolg der Produktion (und damit de Vorsellungen ber deren „Richtigkeit“ bzw. „Rationalität“) bestimmen, treibt das den menschlichen Reichtum in einem unangenehmen Sinne „wie verrückt“ voran! Denn das Verrückte ist, dass den beteiligten Menschen der letztlich bewirkte Schaden (oder Nutzen) herzlich egal bleiben kann, solange sie selbst nicht unmittelbar betroffenen sind. Solange und soweit produzierter Nutzen (oder Schaden) jedoch als Privatsache gelten (kann), scheint auch das philosophische Denken vom Warensinn getrübt.

Geld stinkt nicht .

Warum rebelliert das menschliche (Un-) Rechtsbewusstsein so selten gegen das leichtfertige in Kauf nehmen selbst schwerer Verbrechen im Wortsinne mörderischer Produktionsbedingungen? Vielleicht fehlt es einfach an genau diesen Möglichkeiten, Produktion und Konsum gemeinsam, nach (welt-) gemeinschaftlich reflektierten Kriterien zu steuern. Denn ohne dem kann jedes Glied der globalen Produktions- und Konsumketten nur seinen borniert-privaten Vorteil (oder Nachteil) sehen mit der Folge, dass das durch Raubbau am Meer gewonnene Mehr an Meeresfruchtpizza sogar als Zugewinn an Gerechtigkeit erscheint.

Denn für mich sieht es so aus: ich habe mir die Pizza durch Arbeit redlich verdient. Ein Mehr an Pizza für das gleiche Geld ist für mich wie die Vermehrung des Ergebnisses eigener Mühen. Im Dunklen bleibt, dass nicht ich, sondern die Tier- und Pflanzengesellschaften des Meeres die Meeresfrüchte produzierten (und die endlose Kette fremder Arbeitsvorgänge, sie schließlich auf meinen Teller platzierten). Wie also soll ich riechen, dass mein Gerechtigkeitsgefühl aus Vorgängen gestrickt ist, die meine Mitmenschen arm und die Meere leer macht?

Geld stinkt nicht, und Frutti di Mare auf der Pizza schmecken nicht nach leer gefischtem Meer. Wir müssen offenbar erst mit der Nase darauf gestoßen werden.

Stinkt Geld doch?

Das geschieht etwa, wenn Greenpeace mit Tausenden der Sommerhitze ausgesetzter toter Fische, Krebse und Muscheln zeigt, dass eine Politik stinkt, die es zulässt, dass jedes Jahr allein in der Nordsee 700.000 Tonnen Meerestiere als Beifang völlig sinnlos sterben, weil sie nicht einmal im Hafen angelandet, sondern gleich wieder tot oder sterbend über Bord gekippt werden.“

Mit fair Trade zur Mitmenschlichkeit!

Aktionen für ökologisch und sozial verantwortungsvollen Konsum, wie etwa die Kampagne „Augen auf beim Blumenkauf,“ Fair Trade, umweltbewusstes Reisen, oder der Erwerb von Fisch mit Ökosiegel helfen weiter.

Die individuelle zur Kenntnisnahme und Zähmung des inneren Schweinehundes bei jeder Kaufentscheidung, die täglich mehrfache Entscheidung für oder wider höhere Warenpreise, die durch Mehraufwand für zukunftsfähige, faire Produktion notwenig werden, ist notwenig, lehr- und hilfreich.

Verantwortung öffentlicher Beschaffung

Der Effekt wäre größer, würden die öffentliche Hand und andere Großeinkäufer fair und umweltfreundlich einkaufen (müssen). Auch in diese Richtung gibt es viel versprechende Bewegung.

Zukunftsfähiges Nachfragen nach (oder durch) Mindeststandards?

Soziale und ökologische Kriterien bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen oder der Güter-Beschaffung durch die öffentliche Hand wären – insbesondere in Kombination mit der Frage nach der Erreichbarkeit globaler Nachhaltigkeitsziele  – ein großer Fortschritt bei der Entwicklung eines hinreichenden Willens zu einer sozial und ökologisch reflektierten Nachfrage nach zukunftsfähigen Formen der Produktion. Denn das Bedürfnis, nach der Zukunftsfähigkeit des eigenen Wohlstands zu fragen, wird sich nur in dem Maße entwickeln können, wie Regeln (und deren Anwendung) mit bestimmt werden können, die das mitmenschliche und ökologisch bewusste Handeln zur Normalität machen. Doch auch eine verantwortlich einkaufende „Öffentliche Hand“ wäre dafür nicht ausreichend.

Grad wo private Konkurrenz ums Schneller und Besser im Wortsinne mörderisch wird und sich die freundliche Dr. Jekyll Gestalt der unsichtbaren Hand privaten Aneignens zur Mr. Hyde Klaue zu formen beginnt, müssen soziale und ökologische Mindeststandards festgelegt werden, die weltweit gültig und deshalb in der Lage sind, Sozial- und Ökodumping durch drohende Sonderabgaben oder auch Verkauf von „Verschmutzungsrechten“ usw. zu verunmöglichen.

Erst die Möglichkeit zur Mitbestimmung sozialer Regeln, gibt (gäbe) Anlass, ernsthaft über die Gerechtigkeit dieser und jener Festlegung zu streiten, stachelt das Verlangen nach Informationen über die Grundlagen der zu treffenden Entscheidungen an, macht jede auch noch so privat erscheinende Nachfrage zu einem Gegenstand öffentlichen Nachfragens.

Erlöse aus „Verschmutzungsrechten“, Öko- und Sozialsteuern und -zölle (oder umgekehrt Gutschriften), die so einen Entwicklungsprozess steuern, müssten allerdings dafür eingesetzt werden, Nationen, Branchen usw., die ihre Konkurrenzvorteil bisher weitgehend aus dem Raubbau bzw. dem Mangel an sozialer und ökologischer Zukunftsfähigkeit gewinnen, den Umstieg in ein zukunftsfähiges (menschenwürdiges und naturverträgliches) Wirtschaften zu ermöglichen.

hkeulen(Globale) Notwendigkeiten und (regionale) Möglichkeiten müssen also berücksichtig und finanzielle Mittel wie Maßnahmen zur Förderung nationaler Umbauprogramme so in Zeit und Raum eingeordnet werden, dass auch die sozial und ökologisch problematisch produzierende Nationen in den Prozess einwilligen können. International gültige Mindeststandards und nationale Nachhaltigkeitsstrategien müssten also massentierhaltung macht billigHand in Hand geschaffen und finanziert werden.

Die Herstellung eines solcherart „gemeinsamen Menschheitsgeschichte“ könnte nur als Bündel geschichtlicher Prozesse geschehen, die bestehende oder bereits mögliche Ansätze fortsetzen. Das Kleine (zertifizierte Ökowaren, fair Trade oder freiwilliger Audit) darf aber nicht klein (d.h. auf privaten Goodwill angewiesen) bleiben und es käme darauf an, aus ihnen Regeln zu entwickeln, die aus der sozialen Nische, lebensweltlicher Moden und „Szenen“ heraus führen und auf Veränderungen im Großen und Ganzen abzielen.

Angesichts der rasanten Entwicklung von Nachfragemacht in Ländern wie China, Indien oder Brasilien bleibt für diese „historischen Veränderungsprozesse“ nicht allzu viel Zeit.

hh

Story of Stuff – German from UTOPIA AG on Vimeo.



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13 Responses to Sind wir des Warensinns?

  1. […] Wie dies auch ganz quer zu den mehr oder minder klassen Klassenlagen das  Rechts- bzw. Verantwortungsbewusstsein in einer ganz verqueren Weise strukturiert und was der “Entfremdung (um den Philosophen verständlich zu bleiben&#8221); entgegen wirkt, ist in dem Beitrag “Sind wir des Warensinns” beschrieben. […]

  2. […] Wo sich kapitalistische Verhältnisse neu entwickeln, produziert das immer noch – wie stets in der Geschichte – die Trennung der Landbevölkerung von ihren Produktions- bzw. Überlebensmitteln. Hunger gibt es derzeit vor allem in der Landbevölkerung.wo sich derartige Prozesse abspielen. Die Konkurrenz industriell erzeugter Güter und die Industrialisierung der Landwirtschaft enteignet die traditionellen Landbewirtschafter und bietet zugleich andere Existenzmöglichkeiten, die auf (kapitalistische) Trennung von Produktion und Konsum mit entsprechenden Bewusstseinslücken beruhen. […]

  3. Kommentar zum Organisierungspapier des Instituts für Solidarische Moderne
    Dass undemokratische Herrschafts-, Macht- und Verteilungsverhältnisse sowohl Bemühungen um Entwicklungsgerechtigkeit als auch um Naturschutz hemmen, dass nachhaltige Entwicklung deshalb bedeuten muss, beides miteinander ins Benehmen zu setzen und dies nicht ohne ein Plus an Demokratie bzw. Partizipation funktionieren kann, ist keine Frage.

    Doch sind „nicht-durchhaltbare Konsumwünsche“keineswegs zwangläufig Ergebnis „undemokratischer Herrschafts-, Macht und Verteilungsverhältnisse“. Im Gegenteil sind demokratische Verhältnisse ersteinmal die logische Voraussetzung für eine gerechtere Realisierung von Konsumwünschen. Der Fehler liegt meines Erachchtens darin, nicht nach einer der (Re-)Form der kapitalistischen Arbeitsteilung zu fragen bzw. der Teilung von Arbeit, Genuss und sozialer (bzw. ökologische) Verantwortung, die nicht zuletzt auch tagtäglich aufs Neue und systematisch das (Un-)Rechtsbewusstsein derer bestimmt, die „nicht-durchhaltbare Konsumwünsche“ hegen.

  4. hhirschel sagt:

    Na, das ist doch mal ne Meldung:

    Dänische Regierung plant 60 % Bio-Lebensmittel in den öffentlichen Küchen von Schulen und Kindergärten, Krankenhäuser und Pflegeheimen. Rund eine halbe Million Essen werden täglich in öffentlichen Einrichtungen, zu denen auch Kantinen in Rathäusern und Behörden gehören, zubereitet.Ein Haushaltsgesetz sieht sogar eine finanzielle Unterstützung für die Umstellung der Küchen vor.

    Bereits jetzt legen viele Kommunen großen Wert auf Bio-Lebensmittel in den öffentlichen Küchen. In den Kopenhagener Kindergärten zum Beispiel werden für die Mahlzeiten mindestens 75 % ökologische Lebensmittel verarbeitet.

    Quelle: Biomarkt-Info vom 7.12.11

  5. […] Eine gesamtgesellschaftlich bzw. ökologisch betrachtet vernünftige Steuerung der Produktivkraftentwicklung oder Aufteilung der erreichten Zugewinne (und die dabei zu bewältigenden Risiken oder zu vermeidenden Schäden) sind unter Bedingungen privateigentümlich vermittelter und nur nationalstaatlich ein wenig nachzivilisierter Vergesellschaftung nicht möglich. Dies kann nur auf Grundlage eines öffentlichen, freien Diskurses, d.h. eines gemeinsamen Reflektierens geschehen, bei dem (der Tendenz nach) die ganze Gesellschaft und deren Stoffumsatz mit der Natur einbezogen ist. Nicht nur die auf die Vermehrung ihrer privateigentümlich funktionierenden Bereicherungsmittel ausgerichtete Rationalität kapitalistischer Unternehmen bzw. Investoren wird deshalb zunehmend (mit der Entwicklung der menschlichen Produktivkräfte zunehmend) zum Problem aller. Gleiches gilt, wenn auch nicht auf der gleichen Stufe sozialer Macht (und damit Mitverantwortung) stehend, für die nichts desto trotz ähnlich bornierte Form der Aneignung von Konsumgütern zur Gestaltung der individuellen bzw. familiären Lebens(raum)gestaltung.  Kapitalistische Produktivkraftentwicklung steigert das Aneignungsvermögen “privater Haushalte” als Kaufkraftsteigerung. Dies geschieht entweder in der Form von Lohn- und Gehaltssteigerungen oder mittels “geiler Preise”. Die den mehr oder minder Kaufkräftigen allerdings als Eigenschaft der Waren gilt und deshalb ebenso wie eine Lohnsteigerung als ein Mehr an eigenem Verdienst für eigene Leistungen bzw. als ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit. (Hier hinein gehört die durch die Form der Warenproduktion und damit dem Fetischcharakter der Ware bestimmten Grenzen der  sozialen Reichweite des persönlichen (Un-)Rechtsbewusstsein. Siehe auch: Sind wir des Warensinns?). […]

  6. […] die den Raubbau in der Form “sensationell billiger Preise” entgegen nimmt – vermittels des Fetischcharakters der Ware – vorgestellt als Mehr an eigenem Verdienst oder als Mehr an an sozialer […]

  7. […] Dass undemokratische Herrschafts-, Macht- und Verteilungsverhältnisse sowohl der Entwicklungsgerechtigkeit (bzw. Chancengleichheit) schaden als auch  der Naturumwelt (und dass nachhaltige Entwicklung deshalb bedeuten muss, beides miteinander ins Benehmen zu setzen und dass dies  nicht ohne ein Plus an Demokratie bzw. Partizipation funktionieren kann, d.h. nicht ohne die Integration immer mehr Menschen in die realen Nachhaltigkeitsprozesse, ist keine Frage. Doch sind “nicht-durchhaltbare Konsumwünsche” keineswegs zwangläufig Ergebnis “undemokratischer Herrschafts-, Macht und Verteilungsverhältnisse”. Im Gegenteil sind demokratische Verhältnisse ersteinmal die logische Voraussetzung für die Möglichkeit, höhere Löhne zu realisieren  die in der Regel auch die  Arbeitsproduktivität voran bringen und mit denen sich so oder so anspruchsvollere Konsumwünsche erfüllen lassen. (Das Wachstum lauert imer und überall). Der Fehler liegt meines Erachtens darin, nicht nach der Form (bzw. Reform) der Arbeitsteilung zu fragen bzw. nach der Aufhebung der “verdinglichenden” Teilung von Arbeit, Genuss und sozialer (bzw. ökologischer) Verantwortung, die tagtäglich aufs Neue und systematisch das einpaufsparadiesische (Un-)Rechtsbewusstsein derer bestimmen, die “nicht-durchhaltbare Konsumwünsche” hegen. Siehe: Sind wir des Warensinns. […]

  8. […] Wie die (aus den privateigentümlichen Produktions- bzw. Aneignungsweisen unweigerlich hervor gehende) “Wahrnehmung sozialer Verhältnisse als Verhältnis von Sachen” entsprechend beschränktes Verantwortungs- oder  (Un-) Rechtsbewusstsein hervor bringt und was gegen den Warensinn helfen könnte ist in dem Beitrag “Sind wir des Warensinns?” behandelt. […]

  9. […] 5) Einer realistischen Wahrnehmung der fatalen Verknüpfung von Wohl und Wehe steht die Isoliertheit der Rechtfertigungsverhältnisse kapitalistisch vergesellschafteter Menschen bzw. Institutionen entgegen. Die basalen (Re-) Produktionsbeziehungen stellen sich „hinter den Rücken der füreinander tätigen Subjekte“ her. (Marx i ) Sie erscheinen deshalb nicht als die eigenen Beziehungen sondern als Beziehungen von oder zu Sachen. ii Sie treten ihnen in der Form von „Sachzwängen“ gegenüber, d.h. als Naturgewalt. Ein attraktiver Preis erscheint als natürliche Eigenschaft der angebotenen Ware, der ebenso natürlich gebilligt wird. Ob Preisverfall durch intelligente Innovationen hervorgerufen wurde, durch verbrecherischen Raubbau oder einer Mischung aus beidem, bleibt außerhalb des gewöhnlichen Erkenntnisinteresses. Ein Mehr an Gütern oder Leistungen erscheint uns nicht als vermehrte Leistungen fremder Mühen, als Ergebnis fortgesetzter Produktivität der Natur oder als Ergebnis von Raubbau an Arbeitskraft und anderen Naturkräften deren Reproduktion nicht mehr geleitet werden kann. Der auf der anderen Seite des Kaufaktes zu zahlende Preis sozialer bzw. ökologischer Natur, d.h. in Gestalt eines Verlustes an Gesundheit, Leben oder Zukunftsaussichten fällt außerhalb des gewöhnlichen Erkenntnisinteresses kapitalistisch vergesellschafteter Subjekte. Ist fürs gleiche Geld mehr Ware erreichbar, gilt dies aus Konsumentensicht sogar als verbessertes Ergebnis eigener Mühen oder Ansprüche, z.B. als redlich verdiente Gehaltserhöhung oder als Erhöhung von Transfersleistungen, d.h. als ein Gewinn an sozialer Gerechtigkeit. (Siehe auch: Sind wir des Warensinns) […]

  10. […] Eine der Erfolgsgeheimnisse kapitalistischer (Re-) Produktionsverhältnisse ist, dass sich den hinterrücks vergesellschafteten Produktions- bzw. Aneignungsagenten (bzw. Agenturen) ihre eigenen Verhältnisse als Verhältnisse von bzw. zu Sachen (Waren) darstellen. Marx behandelte dieses Phänomen im ersten Band des KAPITALs im Kapital über den Fetischcharakter der Ware. (Siehe auch Sind wir des Warensinns?). […]

  11. […] in einer hinreichend mitmenschlichen Weise miteinander abstimmen. Unsere basalen Beziehungen sind des Warensinns. (Übrigens gibt Althusser mit seiner Weigerung, den Begriff “Fetischcharakter” als […]

  12. […] auch wenn das den “Weltverzehr” nur beschleunigt? Ich empfehle den folgenden Aufsatz: Sind wir des Warensinns?   Kostet nur ein wenig Aufmerksamkeit und Bereitschaft Neues zu […]

  13. […] liegt in der Natur kapitalistischer Interaktionsbedingungen, dass die voneinander isoliert reicher, fähiger, menschlicher usw. werdenden Individuen zum […]

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