Ökomarx


„Wie in der städtischen Industrie wird in der modernen Agrikultur die gesteigerte Produktivkraft und größre Flüssigmachung der Arbeit erkauft durch Verwüstung und Versiechung der Arbeitskraft selbst. Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebne Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. (…)

Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“

Marx: Das Kapital vgl. MEW Bd. 23, S. 529-530

Vom Standpunkt einer höhern ökonomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.

Marx: Das Kapital,  MEW Bd. 25, S. 784

Weitere Öko-Marx Splitter:

https://oekohumanismus.wordpress.com/2008/01/31/natur-quelle-des-reichtums/

https://oekohumanismus.wordpress.com/okomarx/okomarx-uber-recycling/

2 Responses to Ökomarx

  1. hhirschel sagt:

    Auch wenn das so einseitig falsch ist, beweist Marx hier doch – ganz im Gegensatz zu Generationen seiner Anhänger – ökologisches Problembewusstsein. Falsch wird es lediglich durch das Wörtchen “nur”, denn bekanntlich umfassen kapitalistische Produktionsverhältnisse auch Kräfte und Regeln, die dem Raubbau entgegen wirken.

    Allerdings durchkreuzt das (von relevanter sozialer Steuerung) freie Spiel der sich rasant entwickelnden Produktivkräfte immer wieder alle Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung. Das ist tatsächlich ein Problem des durch kapitalistische Konkurrenz, Markt bzw. Marktwert vermittelten Produzierens und Aneignens von Gebrauchswerten.

    Verursachende, Nutznießende und Leidtragende fallen hier systematisch auseinander. Sie bewegen sich in verschiedenen Behauptungs- bzw. Rechtfertigungsverhältnissen.

    Anonymität und soziale Gleichgültigkeit des Marktgeschehens (Marx: die private Aneignung gesellschaftlicher Produktion) lässt ohne weiteres kein Problembewusstsein der sozialen / ökologischen Beziehungen aufkommen. Diese sind allein im Preis der Waren präsent insofern sich darin gesellschaftlich notwendiger Arbeitsaufwand bemerkbar macht. Je niedriger der notwendige Arbeitsaufwand, desto günstiger die Waren. Ob die Verbilligung des Produkts Ergebnis von Arbeitsaufwand sparendem Raubbau oder Arbeitsaufwand sparender Verbesserung der Arbeitsorganisation oder anderes bewirkt wurde, spielt für den Preisverfall – und der dadurch bewirkten (faktischen aber weitgehend nicht bewussten) Billigung der mit dem Preisverfall verbundenen sozialen bzw. ökologischen Kosten oder Gewinne keine Rolle. (Siehe „Sind wir des Warensinns?)

    Erfordern soziale / ökologische Rücksichtnahmen einen vergleichsweise größeren Arbeitsaufwand, bedeutet das einen Konkurrenznachteil.

    So stehen die kurzfristigen Behauptungs- bzw. Rechtfertigungszwänge der Konkurrenten auf den miteinander verwobenen Wirkungsfeldern von Staat und Wirtschaft allzu oft im Widerspruch zu langfristigen Kalkülen, Erkenntnisinteressen usw.

    Schließlich untergräbt Lohn- und Gehaltsabhängigkeit den Willen und die Möglichkeiten zur Bildung eines sozialen / ökologischen Gewissens und entsprechender Handlungsoptionen. Denn sinkt der Preis einer Ware, erscheint das – fälschlicherweise – als Steigerung des – als Entschädigung für eigene Mühen erhaltene – „gerechten Lohns“.

    Bevor die Menschen um die sozialen bzw. ökologischen Kosten der Produktion wirklich Aufhebens machen (können und auch wollen), müssen sie sich anscheinend – wohl der übel – aus ihrer mehr oder minder klassen Lage erheben.

  2. hhirschel sagt:

    Nachtrag: Und was bedeuten solche Erkenntnisse für die Entwicklung (öko-) sozialistischer Perspektiven?

    Was soll es bringen, lediglich die zerstörerischen, zur Empörung anstachelnden Momente „des Kapitalismus“ hervor zu heben in der Hoffnung. durch eine solche Politik der „Entlarvung“ würde nach dem viel besseren Konkurrenzprodukt „Sozialismus“ gegriffen. Als Gesellschaftsformation kann weder „Kapitalismus“ noch „Sozialismus“ gewählt werden wie ein passender Telefontarif. Mehr „(Öko-) Sozialismus“ zu wagen kann erst einmal nur heißen, alle Kräfte und Regeln zu fördern, die tatsächlich mehr soziales / ökologisches Bewusstsein und entsprechend mitmenschliche und ökologisch bewusste Handlungen ermöglichen – also mehr (öko-sozialistische) Zähmung, also – natürlich – mehr Ökokapitalismus.

    Nur dürfen diese politischen Prozesse kein Fetisch werden, von dem man sich unabhängig von der Art und Größe der zu lösenden Probleme wie der zu ihrer Bewältigung notwendigen Maßnahmen und Ziele verzaubern lässt. Fortschritte sind nur welche, wenn sie auch gegangen werden. Das heißt aber nicht, dass angesichts unüberbrückbar scheinender Mauern aufgrund der Notwendigkeit gangbarer Fortschritte fröhliches „im Kreis Laufen“ angegsagt ist.

    Nichts blöder und unverantwortlicher, als ein – für die Bewältigung der erkannten Probleme völlig unzureichenden – „realen Öko-Kapitalismus“ gegen den begründeten Wunsch zu verteidigen, doch lieber mehr (Öko-) Sozialismus zu wagen und die Regeln zu ändern, die der Realisierung des Wunsches nach Verallgemeinerung der Möglichkeit einer rationalen Steuerung mitmenschlicher Produktion und Aneignung entgegen stehen.

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