Ordnung, Freiheit, Kommunismus! (1/2)

8. August 2017

Von der (Un-) Ordnung kapitalistischer Freiheiten zur Freiheitsordnung eines (öko-) humanistisch bestimmten Kommunismus zu gelangen, verlangt die Freiheit, einen geordneten Übergang zu denken und mit Bedacht anzugehen.

Der Transformationsexperte Michael Brie hatte einen Abend der gegenwärtigen Veranstaltungsreihe der Your Fixe Initiative gestaltet. Die Reihe ist verschiedenen Facetten des „Antikommunismus“ gewidmet. (Siehe meine Reflexionen über Anti-Anti-Kommunismus?). Fragen des Brie-Abends waren, inwieweit der als Vater des Konservativismus gesehene Edmund Burke,  als Ideengeber des gegenwärtigen Rechtspopulismus fungiert (Stephen Bannon soll ein eifriger Burke Leser sein), und was Linke bzw. Soziaist*innen von Burkes Gedanken über Ordnung und Freiheit lernen könnten.

Im Ankündigungstext heißt es::

Burkes Schrift will das Konzept einer Ordnung großer bürgerlicher und politischer Ungleichheit mit der Idee der Freiheit versöhnen. Bis heute muss sich die Linke an den von Burke gestellten Herausforderungen messen lassen, oder sie wird wieder für zu leicht befunden werden.

Die vom Referenten hervorgehobene Punkte waren Burkes Erschrecken über die in der Französischen Revolution erlebte „Frechheit“ des Volkes, sich der als  gottgegeben  vorgestellten Ordnung zu widersetzten, einfach die Nationalgarde zu überrennen, das Königspaar Marie Antoinette  und Ludwig den VI  nach Paris zu beordern usw. usf. und die für den modernen Konservativismus paradigmatischen Schlüsse, die er aus dem Ereignissen zog.  Für Burke führten die mit der französischen Revolution proklamierte Einheit von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zur ochlokratischen Ordnung (Herrschaft des Pöbels), die, gelänge es nicht, ihr erfolgreich entgegen zu treten, die Grundfeste aller natürlichen Ordnung zerstören würde, nämlich das Eigentum. Ordnung und Recht müssten deshalb stets vor Freiheit der Masse gehen bzw. müsse Freiheit stets von einer Ordnung eingehegt werden, die keine egalitäre Ordnung sein kann, sondern nur eine, in der eine dazu qualifizierte Elite aus Eigentümer und  Angehörige einer Bildungselite das Sagen habe.

Was die Linken bzw. Sozialist*innen von Burkes lernen könnten, bzw. worin genau die von ihnen zu bestehende „Herausforderung“ bestünde, wurde nicht wirklich klar. Brie wies darauf hin, dass „Freiheit“ ein von der sozialistischen Linken bisher vernachlässigtes Ideal gewesen sei. Dem widersprachen andere mit dem Hinweis, dass „Freiheit“ für die sich nach Ende der 1960er Jahre im Westen  formierende neue Linke im Gegenteil die alles bestimmende Leitidee war bzw. noch ist. Der  Referent gestand dies ein und ergänzte, dass der Anarchismus schließlich auch Teil der sozialistischen Linken sei.

Mein Problem: Stehen solcherart unbestimmte „Freiheit“ gegen eine ebenso unbestimmte „Ordnung“ (bzw. ebenso unbestimmte Staatlichkeit), verlieren sich Fragen nach Voraussetzungen, Charakter und Formen eines erfolgreichen Übergangs zu einer (öko-) kommunistisch bestimmten Ordnung des globalen Produktionsgeschehens (und welche Freiheiten oder Notwendigkeit das unter welchen Umständen für wen bedeuteten bzw. möglich machen soll).

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