Bedürfnisse als Keimformen des Kommunismus?

22. Januar 2016

Nicht wenige meiner Mitmenschen, die gern Kapitalismus Geschichte werden lassen möchten, stellen sich das so vor, dass ein gesellschaftliches Für- und Voneinander zu schaffen sei, in dem endlich die Bedürfnisse regieren. Dem Kapitalismus seien die Bedürfnisse egal. Außerdem müsse man im Kapitalismus genug Geld haben, um seine Bedürfnisse befriedigen zu können.

Weil aber nicht alle genug Geld hätten, sei der Kapitalismus „exklusiv“, d.h. er schließe Menschen  von der Möglichkeit aus, an die zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse notwendigen Mittel zu gelangen. Es müsse also eine „inklusive“ Gesellschaft her, in der Geld keine Rolle mehr spielt und deshalb niemand von der Möglichkeit ausgeschlossen sei, sich die (welt-) gesellschaftlichen Mittel der Existenzsicherung und Bereicherung anzueignen.

Ich habe das bereits verschiedentlich kritisch  hinterfragt, und davon auch einige Male als Kommentar im Keimform-Blog, ohne dass sich daraufhin eine ernsthafte Debatte um den Punkt entzündet hätte.

Nun hat der Keimform Blogger Benni Bärmann die Angelegenheit etwas näher unter die Lupe genommen.

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Plan A: dissidentes Drittel artikuliert sich und macht dadurch die Idee der Demokratie zu einem Drittel idealer (3/3)

16. Januar 2016

Thomas Seibert, Philosoph und Autor, Vorstandssprecher des Instituts für Solidarische Moderne, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Rosa Luxemburg-Stiftung  und seit vielen Jahren politischer Aktivist hat ein Strategiepapier für linke Perspektiven in Europa vorgelegt.

Angelehnt an die Ankündigung der griechischen Regierung, für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen um Schuldenschnitt vs. Kreditverlängerung bei ruinösen Auflagen  einen Plan B vorzulegen, was dann aber ausblieb, will Seibert die Formulierung eines Plan A anstoßen, der für die europäische  Linke insgesamt handlungsanleitend sein soll.

Die Grundfrage so eines Plans müsse nach Seibert sein:

Kann das dissidente Drittel der deutschen wie überhaupt der europäischen Gesellschaften zum artikulierten Drittel der Idee der Demokratie werden?

Die ist der dritte von vier Teilen einer kritischen Reflexion des Papiers – aus einer (öko-) kommunistischen Perspektive. Mein Hauptkritikpunkt ist bisher, dass das Schielen auf ein „dissidentes Drittel“ der Bevölkerung inhaltliche Unschärfe zum Ausdruck bringt und reproduziert. Fragen kurz- mittel und langfristiger Ziele, die einen bunten Strauß an mehr oder weniger temporärer Gemeinsamkeiten und Differenzen mit allen möglichen Kräften bzw. Institutionen  (Bedürfnissen, Fertigkeiten, Möglichkeiten)  geraten in der Tendenz zu reinen Machtfragen, begünstigen Projektionen und mindern Klarheit.

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Plan A: dissidentes Drittel artikuliert sich und macht dadurch die Idee der Demokratie zu einem Drittel idealer (2/4)

13. Januar 2016

Thomas Seibert, Philosoph und Autor, Vorstandssprecher des Instituts für Solidarische Moderne, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Rosa Luxemburg-Stiftung  und seit vielen Jahren politischer Aktivist schlägt vor, einen Plan für eine Perspektive linker Intervention in Europa zu erarbeiten.

Der soll einem von ihm vorgelegten Strategiepapier zufolge  „das dissidente Drittel“ der Gesellschaft ermutigen, seine Stimme zu erheben auf dass dies „die Idee der  Demokratie“ bereichern möge.  Bezugnehmend auf ein von der griechischen Sypras-Partei  angekündigten aber dann doch nicht ins Feld geführten Plan B, schlägt Seibert vor, diesen Plan, Plan A zu nennen.

Es folgt der zweite Teil meiner Bedenken zu dem Papier, mit dem Seibert eine Diskussion um ein solches Projekt anschieben möchte. Den ersten Teil gibt es hier…

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Plan A: dissidentes Drittel artikuliert sich und macht dadurch die Idee der Demokratie zu einem Drittel idealer (1/4)

1. Januar 2016

„Linke“ Perspektiven, die über die kapitalistischen Bedingungen menschlicher Interaktion hinaus weisen aber nicht utopistisch sein wollen, können nur sehr allgemein formuliert sein. Es könnte etwa die Notwendigkeit erörtert werden, zu Formen der Existenzsicherung und Bereicherung zu kommen, bei denen der Abbau gesamtgesellschaftlich bzw. ökologisch unvernünftiger Produktionszwecke bzw. -kapazität nicht länger von so vielen Menschen mit Sorge betrachtet werden muss, weil sie um ihre Arbeitsplätze und daran geknüpfte Wählerstimmen oder Steuereinnahmen fürchten müssen. Die in die Lage versetzen, Wachstum und Eingrenzung menschlicher Schaffenskräfte emanzipationsproduktiv, d.h. nach ökologisch verantwortungsbewusster Mitmenschenart zu managen. Sie können zu erklären versuchen, warum linke „Interventionen“ darauf zielen sollten, ein (welt-) gemeinschaftliches Nachhaltigkeitsmanagement zur Basis des globalisierten Für- und Voneinanders zu machen.

Dass der  Vorstandssprecher eines Instituts, das einmal Rot-Rot-Grüne Regierungskoalition emanzipationswissenschaftlich begleien möchte,solcherart „kommunistische“ Gedanken eher umschifft, ist nachvollziehbar, sorgt aber nicht unbedingt für eine bessere Orientierung.

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