Ewig grüßt die Sozialismus-Illusion? Zu einem bereits in die Jahre gekommenen Grußwort K-H Tjadens

Karl-Hermann Tjadens Grußwort für die bereits im Juni 2010 stattgefundene Konferenz über „ökologischen Sozialismus“ mit dem Titel Kapitalbewegung und Klimageschehen ist zwar nicht mehr so ganz druckfrisch, aber für den Versuch einer (öko-)kommunistischen Ortsbestimmung scheint mir eine Auseinandersetzung mit dem dort Ausgesagten nach wie vor lohnend. Der Anfang dieser Reflexion schmorte eine lange Zeit als „Entwurf“ vor sich hin und ich hatte das längst vergessen. Nach der kürzlichen Wiederentdeckung vor die Alternative gestellt, das nun ganz und gar sein zu lassen, zumal in meiner Auseinandersetzung mit dem ökosozialistischen Manifest das Meiste, was dazu zu bemerkenden wäre, bereits in aller Ausführlichkeit gesagt ist, habe ich das nun doch hervorgeholt und vervollständigt.

Vorerst eine Vorbemerkung zur Frage des Verallgemeinesungspotenzials sozialwissenschaftlicher Fachbegriffe. Anlass ist der von Tjaden gewählte Begriffs der „symbolischen Gewalt“.

Während des unlängst von der Rosa Luxemburg Stiftung veranstalteten dreitägigen Podium-Marathons zur Lage des Marxismus hatte jemand das Begehren geäußert, die vortragenden und miteinander diskutierenden Marxgelehrten mögen doch bitteschön den Ehrgeiz entwickeln, sich möglicht so auszudrücken, dass dies mit den Mitteln der Alltagssprache nachvollzogen bzw. überprüft werden könne. Alex Demirović von der RLS widersprach heftig.  Auch Fächer übergreifendes Verständigen über das Sein und Sollen sozialer Angelegenheiten benötigt Fachbegriffe, die als solche anerkannt sind. Und notfalls gelehrt (bzw. gelernt) werden müssen!

Stimmt natürlich. Trotzdem wäre es nicht verkehrt, die intuitive Verallgemeinerungsfähigkeit von Begriffen im Blick zu behalten. Das wird z.B. erschwert, insoweit sie bewährten Bedeutungsgewohnheiten widersprechen. Wird etwa über symbolische Interaktionen geredet nervt mein vom Alltag gehobelter Verstand mit der dämlichen Frage, ob  die gemeinte Interaktion etwa nur eine symbolische sei und also nicht wirklich wirklich stattfindet. In Wörtern, Gesten, Kleidung, Ritualen, Diskursen usw für etwas Bestimmtes stehende Zeichen (Symbole) sind allerdings nicht die Wirklichkeit der Interaktion sondern sondern vermitteln sie. Das wäre also mit den Wörtern symbolvermittelte Interaktion“ sehr viel beser auf den Begriff gebracht.

Vielleicht würde mir der folgende Satz aus Karl Hermann Tjadens Grußwort an die „Konferenz für Ökologie und Sozialismus“ weniger rätselhaft erscheinen, hätte er vom Wirken symbolvermittelter Gewalt auf Denkschranken aus Unmündigkeit geredet statt vom Wirken „symbolischer Gewalt“.

Dass Wissen nur sehr begrenzt in angemessene Entscheidungen umgesetzt wird, hat auch mit dem Wirken symbolischer Gewalt zu tun, mit Denkschran­ken aus gesellschaftlich verschuldeter Unmündigkeit in den Köpfen vieler, oft auch linker Leute. Operieren mit abstrakten Konzepten gehört dazu.

Die Frage scheint hier jedenfalls zu sein, was für eine Gewalt (gemeint sind offensichtlich nicht ohne weiteres zu umgehende Zwänge) Linke zu „abstrakten Konzepten“ der Art nötigt, dass sie die erzwungenen Denkschranken (und damit die eigene Unmündigkeit) reproduzieren. Zur Beantwortung klärt Tjaden  zunächst darüber auf, bei welchem „Operieren mit abstrakten Konzepten“ er die symbolvermittete Reproduktion der gesellschaftlich erzwungenen Unmündigkeit  am Werke sieht.

Immer noch gibt es Fetischisierungen des Abstraktums „Wachstum der Wirtschaft“, selbst bei Wirtschaftswissenschaftlern mit ehrenwerten sozial- und umwelt­politischen Absichten.

Die Fetischisierung jeglichen „Wachstums der Wirtschaft“ hängt allerdings tatsächlich weniger von guten Absichten und ökonomischen Fachwissen als von den gesellschaftliche Verhältnisse ab, genauer, von der in der kapitalistischen Struktur des Wirtschaftsgeschehens angelegten Freiheit von sozialer Verantwortung für die sozio-ökologischen Voraussetzungen und Wirkungen des wachsenden Wirtschaftens (= wachsender Kaufkraft). Dieses Absehen vom Gesamtzusammenhang kennzeichnet die Natur kapitalistischer Vergesellschaftungsweisen, ist eine gesellschaftliche Naturgewalt. Deshalb ist es auch nicht sehr glücklich, von einem Konzept des Wirtschaftswachstums zu sprechen.

Konzepte könnten gewählt oder verfolgt werden, ohne die Art der Produktionsbeziehungen anzutasten. Davon kann aber nicht die Rede sein. Davon abgesehen beschreibt Tjaden hier natürlich nichts als die Wahrheit. Den strukturellen Wachstumszwang lediglich sozialdemokratisch zu nutzen ohne weitergehende Vorstellungen zu entwickeln, bedeutet zumindest auf lange Sicht ein Konzept zu verfolgen, dass keine Mündigkeit gegenüber der kapitalistischen Realabstraktion von den sozialen bzw. ökologischen Kosten des Ganzen erwarten lässt.

Es scheint mir wichtig festzuhalten, dass die von K.H. Tjaden zurecht beklagte Fetischisierung eines – um jeden Preis – wachsenden gesellschaftlichen Reichtums eine nicht wegzudenkende Grundkonstante des kapitalistischen Für- und Voneinanders ist. Die Nötigung zum Wirtschaftswachstum und die einkaufsparadiesische Freiheit von Mitverantwortung für dessen Kehrseiten sind das wesentliche Erfolgsgeheimnis kapitalistischer Produktionsweisen. Das Verkennen der Probleme, ie die gegenwärtig vorherrschende Art, die Existenz zu sichern und  sich und andere zu bereichern oder auszubeuten (sowie dies staatlicherseits möglich zu machen, zu stärken, zu  zivilisieren usw.) rühren daher, dass alle Beteiligten stets in irgend einer Weise vom Gelingen privateigentümlich (und im Übrigen auch weitgehend klassenspezifisch) motivierter Vermehrung von Kaufkraft abhängig sind.

Es ist deshalb mehr als fraglich, ob man der Überwindung der gesellschaftliche Realabstraktion mittels anti-sozialdemokatischer Denunziation des klassenkämpferischen Schielens auf Wachstumsgewinne näher kommt. Es muss vielmehr dasjenige gesellschaftliche Geschehen herausgearbeitet und gefördert werden, dass nach der Etablierung von Instanzen ökologisch reflektierter Mitmenschlichkeit verlangt, mit denen am Ende tatsächlich (welt-) gemeinschaftlich darüber entschieden werden kann, was, wo, wie, für wen wachsen oder schrumpfen soll. Was hieße, einen Zustand zu überwinden, in dem chaotische Interaktionsprozesse privateigentümlich bornierter Aneignungsinstanzen über Wohl und Wehe entscheiden, also soziale Prozesse, die den Individuen als eine Naturgewalt gegenüber stehen.

Was macht die Fetischisierung?

Für kapitalistisch vergesellschaftete Subjekte erscheint Reichtum ganz grundsätzlich in der Form von Warenpreisen. Die einen sehen darin das Versprechen eines Verkaufserlöses in der Form von Geld, den anderen gelten sie als Maßstab ihrer Freiheit bzw. ihres Vermögens oder legitimen Rechts, sich soziale Güter und Dienste bzw. die darin verarbeiteten Naturkräfte anzueignen.

Wo aber gesellschaftlicher Reichtum als intrinsische Natureigenschaft von Waren erscheint, entkoppelt dies unter anderem auch das menschliche (Un-)Rechtsempfinden bzw. Urteilsvermögen von den sozialen bzw. ökologischen Tatsachen (Wahrheiten) der Interaktion. (Siehe „Sind wir des Warensinns“ an anderer Stelle).

Die von Tjaden kritisierte Verwechslung von „Wirtschaftswachstum“ mit gutem Leben ist nur ein ideologischer Reflex dieses Effektes, dessen Quelle die Vereinzelung privateigentümlich bornierter Plusmacheragenturen ist. Und diese Quelle verkehrter Wahrnehmung wird solange sprudeln, wie die Menschen über die sozialen bzw. ökologischen Anforderungen und Grenzen der (Re-) Produktion und Pflege ihrer Existenz- und Bereicherungsmitel nicht auf Grundlage bewusster Entscheidungsprozesse (mit-) entscheiden – können.

Die Fetischisierung ist tatsächlich „symbolermittelte Gewalt“. Sie ist eine soziale Naturgewalt. Als solche bringt sie die privateigenümliche Natur kapitalistischer Vergesellschaftungsweisen unmittelbar zum Ausdruck. Es ist also kein Wunder, dass sie, wie Tjaden feststellt, „selbst bei Wirtschaftswissenschaftlern mit ehrenwerten sozial- und umwelt­politischen Absichten“ vorkommt“.  Tjaden sieht weiter:

Übersehen wird insbesondere, daß das kapitalistische Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, des BIP, zu erheblichen Teilen einer in der Regel erweiterten Reproduktion fixen Kapitals dient, somit dem Er­satz und Ausbau von Ausrüstungen und Bauten mit meist negativen Effekten auf Menschen und ihre übrige Umwelt, aber positiven Resultaten für die Eigen­tümer dieser Produktionsmittel; eine Dynamik, die regelmäßig zu ökonomi­schen Krisen führt.

Macht Tjaden etwa die Vermehrung von Produktionsmitteln an sich für die von ihm diagnostizierten „meist negative Effekte“ verantwortlich? Oder nur insoweit sich das gesteigerte Vermögen zur Existenzsicherung und Bereicherung weiterhin als blind gegenüber der Notwendigkeit zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs zeigt, weil das Produktionsgeschehen in Klasseninteressen bzw. die ihnen zugrunde liegende Zwangslagen gefangen ist? Und niemand auf Produktionsbedingungen hinarbeitet, die es möglich machen, die vermehrten Produktivkräfte (die immer auch Destruktivkräfte sind) zur sozio-ökologischen Vernunft zu bringen?

Tjaden nennt zunächst ein typisches Entfremdungspänomen kapitalistisch vereinzelter Umweltfreunde:

Es gibt ferner eine Fixierung auf das Abstraktum „Wirkungsgrad einer Maschine“, auch bei solchen Ingenieurwissenschaftlern, denen es durchaus um Ressourceneinsparung und Umweltentlastung geht. Vergessen wird, daß der technische Wirkungsgrad sagen wir einer Energieumwandlungs- oder Stoffverarbeitungsanlage sich nur auf ein Glied einerlangen Kette technischer Prozesse und Produkte bezieht, die insgesamt zur Herstellung, zum Betrieb und zum Abwracken dieser einen Maschine beitragen.

Auch diese Fixierung ist Ausdruck der nicht ohne weiteres zu verändernden Tatsache, dass die privateigentümlich strukturierten Behauptungs- bzw. Rechtfertigungszusammenhänge in Gesellschaften mit kapitalistischer Produktionsweise sich eben typischerweise nicht auf die gesamte Kette der (Re-) Produktionsverhältnisse erstrecken. Deshalb ist es kontraproduktiv, einzelnen Ingeneuren und anderen kapitalistisch vergesellschafteten Mitmenschen diese Fixierung anzulasten. Stattdessen sollte deren umweltpolitische Absichten aufgegriffen und danach geschaut werden, wer, wie, womit usw. „die Gesamtzusammenhänge“ ein Stückweit mehr hervortreten lässt.

Die Reduktion der Ziele von Ressourcen- und Umweltpolitik auf eine Effizienzrevolution und Förde­rung entsprechender Technologien lenkt ab vom Ursprung der Ressourcen- und Umweltprobleme, von den gesellschaftlichen Produktions-, Transport- und Konsumtionsstrukturen.

 Das hier deutlich werdende Problem ist allerdings, nicht zu bedenken, dass umgekehrt die Art der gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Produktion, Transport und Konsum (Wissenschaft, Bildung, Rechtswesen etc.)  es mit sich bringt, die Ziele von Ressourcen- und Umweltpolitik auf einzelne Elemente des notwendig zu Tuenden zu reduzieren. Und ist nicht auch der Gedanke Ausdruck des gesellschaftlich notwendigen Beschränktseins kapitalistisch interagierender Subjekte, sich das Fehlen eines ganzheitlichen Blicks als subjektives Versagen oder Ergebnis falscher Konzepte vorzustellen?
 Hier täte eine eingehende Auseinandersetzung mit Fragen der Produktivkraftentwicklung Not, d.h. zu fragen, welche Produktivkräfte technologischer, menschlicher oder auch außermenschicher Natur heute unter welchen Umständen zu einer gesellschaftsverändernden Kraft werden könnten, die die Frage nach einer grundlegenden Veränderung der Produktionsregeln tatsächlich auf die Tagesordnung stellen kann.

An anderer Stelle habe ich allerdings bereits darüber berichtet, dass Tjaden von der marxschen Perspektive nichts hält, das Verhältnis von Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen unter die Lupe zu nehmen, was womöglich sein offenbar starkes Bedürfnis erklärt, jegliche Anerkennung technischen bzw. ökonomischen Leistungsfähigkeit kapitalistischer Produktionsweisen als deren Fetischisierung und diese als Werk von Ideologen darzustellen, dem nun die ökosozialistiische Ideologie des nur noch Schwarzsehens entgegengesetzt werden müsse.

Im Gegensatz zu Ideologen, die die kapitalistische Produktionsweise und ihre ökonomische und technische Leistungsfähigkeit fetischisieren, versuchen die Verfechter eines „Ökosozialismus“ […] unsere gegenwärtige Situation realistisch zu zeichnen, nämlich als soziales und ökologisches Desaster.

Die internationale Lage nimmt ständig zu! (Zu den spezifischen Verdingslichungsprobemen im ökosozialistischen Manifestes siehe „Warum ich beim ökosozialistischen Manifest nicht mitgehe.) Das bringt nach Tjaden technische Leistungsfähigkeit im aggressiven Kapitalismus:

erstens förderten fortgesetzte Einsparungen von bezahlter Arbeit und entsprechende Freisetzungen von Arbeitskräften in der kapitalistischen Warenproduktion die Entwicklung von Überarbeit, von Massenarbeitslosigkeit und von elenden Lebensbedingungen ausgegrenzter und bedrängter Menschen, zu denen zumal in südlicheren Erdgegenden auch landarme Kleinbauern und Landarbeiter gehören

Zeigen diese negativen Folgen der Gewinnung von Effizienz nicht die Dringlichkeit einer (welt-) gesellschaftliche Regulierung des (weltweiten) Produzierens? Und besteht die Herausforderung nicht in der Etablierung eines Weltwirtschaftens, das auf Grundlage eines (am Ende weltgemeinschaftlichen) Nachhaltigkeitsmanagements funktioniert, mit dem eben auch die Gewinne und Kosten von Effizienzgewinnen  zum Gegenstand kolektiver Abwägungs- und Entscheidungsprozesse gemacht werden können?

durch Begrenzung des Sachkapitaleinsatzes und Produktionsmittelgebrauchs auf sinnvolle Zwecke verbunden mit einer Vermehrung der Vollerwerbsstellen und Neuwertschöpfung für nützliche Ziele

. „Vollerwerbsstellen“ sprich Verlängerung der für den Lohn- und Gehaltserwerb zu absolvierenden Arbeitszeit und Vermehrung von Neuwertschöpfung, sprich Wachstum“sinnvoll“ gemachter Kaufkraft als Ziel ökosozialistischer Träume? Wer soll darüber entscheiden, was als sinnvoller Sachmitteleinsatz bzw. Produktionsmittelgebrauch zu gelten hat, wenn die Globalisierten dieser Erde nicht die Möglichkeit schaffen, Produktionsziele und welche Kosten sozio-ökologischer Natur für deren Verfolgung erlaubt sein sollen gemeinschaftlichen (und das heißt, letztlich auch weltgemeinschaftlichen) zu setzen? Das müssste zwangsläufig die Frage der  Notwendigkeit von Arbeitszeitverkürzung aufwerfen

 Was nun die Zusammenhänge von kapitalistischer Produktionsweise und aktuellen Klimaproblemen angeht, wird oft auf ein Profitdenken oder ein Profitstreben verwiesen. Damit ist sicherlich etwas Richtiges gemeint, aber mir scheint dies doch eine ungute, idealistische bzw. psychologistische Denkweise zu sein.

Dem stimme ich zu.

Weniger vergegenständlichte, zu Sachkapital gewordene Arbeit, mehr leben­dige, Wertschöpfung bewirkende Arbeit: das sind Prinzipien, denen eine sozi­alistisch und ökologisch motivierte Theorie und Praxis folgen könnte und die auf die Wirtschaftsverfassung einer anzustrebenden Gesellschaft verweisen.

Dem nicht. Eine ökosozialistische Wirtschaftsverfassung, die mit weniger Produktionsmittel mehr Arbeit erzwingen und damit mehr Wertschöpfung (=Kaufkraft) schaffen soll? Seltsamer Theorie.

Etwas weiter unten wird es etwas verständlicher. Tjaden will …

… die Ausrichtung der Volkswirtschaft auf Nutz­effekte, zu denen Ge- und Verbrauchsgüter und -leistungen im Rahmen vernünftiger (= reproduktiver) Zwecksetzungen beitragen, auch Energie­dienstleistungen (beziehungsweise Stoffdienstleistungen) genannt.

Damit nimmt Tjaden Bezug auf Modelle, die seit den 1980er Jahren z.B. als sogenanntes Least Cost Planning für Aufmerksamkeit sorgten. Danach soll ein bestimmter Nutzeffekt wie etwa Raumwärme oder Beleuchtung verkauft werden statt einem bestimmten technischen Mittel dieses herzustellen,wie etwa Elektrizität. Es kann für Stromanbieter gegebenenfalls profitabel sein, die gewünschte Raumwärme bzw. Beleuchtung zu einem bestimmten Preis etwa gemeinsam mit deren Kunden mittels Energiespar- oder Wärmedämmmmaßnahmen herzustellen, wenn damit etwa Investionen in ein neues Kraftwerk vermieden oder hinausgezögert werden kann. Insbesondere in Kombination mit der Anforderung, dass der zu erbringende Nutzen mit Produktionsmethoden bzw. -mitteln zu erzielen ist, die als die sozio-ökologisch vernünftigsten anerkannt sind, ist das durchaus ein beachtenswerter Reformansatz, der tatsächlich Fortschritte in Richtung sozio-ökologischer Vernunft erlauben könnte.

Mehr (Öko-) Kommunismus zu wagen sollte hier heißen, Möglichkeiten wie reale Ansätze der Entwicklung sozio-ökologisch vernünftiger Zielsetzungen zu erkunden hinsichtlich einerseits der herzustellenden Nutzeffekte und andererseits der Kosten sozio-ökologischer Natur, die deren Herstellung mit sich bringen darf, d.h. auch welche Produktionsmethoden bzw. -mittel zum Einsatz kommen sollen. Statt in diese Richtung eigene Überlegungen anzustellen beschwert sich Tjaden, dass von Seiten des Kapitals nichts zu diese Richtung kommt.

Wie eine Volkswirtschaft, die auf Nutzeffekte oder Energie- und Stoffdienstleistungen gesellschaftlicher Arbeit ausgerichtet ist, als System funktionieren soll, ist freilich nicht geklärt.

Und die Linken?

Man wäre in dieser Frage weiter, wenn nach dem Zusammenbruch der real existierenden staatsso­zialistischen Ökonomien in Europa weniger über deren repressive Züge gere­det, sondern mehr über Möglichkeiten „gesellschaftlichen Eigentums“ und „gesellschaftlicher Planung“ nachgedacht worden wäre.

Hier tun sich allerdings Abgründe auf, über die hinaus „weiter“ sein zu wollen großen Unverstand hinsichtlich der Lehren verrät, die gerade Linke aus der Geschichte des „Realsozialismus“vernünftigerweise zu ziehen hätten. Die historischen Sozialismusversuche hatten keine repressiven Züge, die Repression offenbarte deren anti-sozialistische Realität. Für alle Ländern des sogenannten „Realsozialismus“ war die Kriminalisierung jeglicher Versuche eines freien Diskurses charakterisierend. Und eben dies verunmöglichte den Aufbau kommunistischer Entscheidungskompetenzen und -mechanismen. Ohne freien Diskurs kann eine Gesellschaft diese unmöglich herausbilden. Und nichts anderes ist das sozialistische Versprechen: eine Übergangsgesellschaft zu sein, die Wege zur Herausbildung einer vereinten Menschheit ebnet, die ein tatsächlich gemeinsames, das heißt auch ein weltgemeinschaftliches Ressourcenmanagement erlaubt, mit dessen Hilfe die sehr verschiedenen Bedürfnisse hinsichtlich der Produktionszwecke mit den sozio-ökologischen Kosten ihrer Erfüllung ins Benehmen gebracht werden können.

In Europa wird heute niemand mehr zu öffentlichen Glaubensbekenntnissen hinsichtlich der vermeintlichen Sozialismusrealität von Produktionsdiktaten genötigt,  die von geheimen Staatsparteigremien ohne einen Hauch an gesellschaftlicher Kontrolle ausgebrütet und mittels Geheimpolizei, Medienmonopol und Dauerpropaganda unter der alleinigen Kontrolle einer selbstherrlichen Staatsparteiführung abgesichert wurden. Was also bewegt einen K-H. Tjaden, das zurecht Vergangene immer noch Sozialismus zu nennen, wenn auch einen leider „repressive Züge“ tragenden Staatssozialismus? Einem rationalen Diskurs über die Notwendigkeit und die Gestalt ökosozialistischer Perspektiven dürfte das nicht gerade förderlich sein.

Was bewirkt werden muß, sind Einschränkungen, Abbau und Überwindung dominierender ökonomischer Verfügungsgewalten und -rechte ineins mit Be­schränkungen,Um- und Rückbau und Stillegung aggressiver technischer Aus­rüstungen und Bauten.

Ich möchte nicht wissen, wie das abstrakt Geforderte konkret aussähe und durchgesetzt würde, wenn dabei an zentraler Stelle Kräfte walteten, denen das Reden über „repressive Züge real existierender staatsso­zialistischer Ökonomien“ nicht passt.

Tatsächlich wäre es wunderbar, wenn die Welt in der Entwicklung gesellschaftlicher Perspektiven, die etwa an Marx/Engels‘ ökohumanistischen Kommunismus anknüpften, weiter wäre. Und womöglich wäre sie das, wenn Linke in den Jahren nach der Implosion der „realsozialistischen“ Anmaßungen mehr eingefallen wäre als über eine zu große Aufmerksamkeit für deren „repressiven Züge“ zu klagen und eigenes Nachdenken über gesellschaftliches Eigentum bzw. Planen zugunsten national-sozialdemokratischer bis anti-kapitalistisch bzw. ökosozialistisch anmutender Gerechtigkeitsbeschwörung einzustellen.

Notwendig wäre etwa, gesellschaftliches Eigentum nicht als ein juristisch definiertes Ding zu sehen, das staatsparteilich zu erobern und zu beplanen sei. Vielmehr sollte von dem Grundwiderspruch alles Produzierens auf kapitalistischer Grundlage Aufhebens gemacht werden wie er von Marx/Engels konstatiert wurde, nämlich dem Widerspruch zwischen deren Gesellschaftlichkeit und  dem privateigentümlichen Charakter seiner Aneignung (= Zweckbestimmung). Die Aufhebung dieses Widerspruchs kann nur als sehr langfristiger historischer Prozess der Befähigung zur gemeinschaftlichen (am Ende eben auch weltgemeinschaftlichen) Steuerung der Produktion gelingen, was auch bedeutet, dass sich das Bewusstsein einer solchen Aufgabe, d.h.  die Formulierung entsprechender Absichten, Bedürfnisse, Kenntnisse usw. in der notwendigen Breite und Tiefe nur prozesshaft entwickeln kann, das heißt in vielen Zwischenschritten.

Es kann keineswegs erwartet werden, dass von einer Avantgarde ökosozialistisch bzw. ökokommunistisch Erleuchteter ausgedachte Umsturz-Konzepte in (welt-) gesellschaftlich relevantem Umfang als Alternative zu „Konzepten eines nachhaltigen Kapitalismus“ (so der offenbar polemisch gemeinte Ausdruck von Tjaden für Ideen und Ansätze einer nachhaltigen Entwicklung im kapitalistischen Rahmen wie sie etwa – aber beileibe nicht nur – von Seiten Al Gore) gesehen werden. Und es scheint mir eines der wesentlichen Misserfolgsgeheimnisse linker Versuche einer Perspektivbildung  seit den 1990er Jahren, dass sie etwa die UN-Prozesse für eine nachhaltige Entwicklung nach Kräften ignorierten oder als „falsche Konzepte“, gefährlich „systemintegrative“ Diskurse usw. bekämpften, statt das darin steckende Kommunismuspotenzial herauszuarbeiten und über Bedingungen seiner – etappenhaften – Weiterentwicklung in diese Richtung zu streiten.

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