Aprilscherzthesen? Sozialismus geldverkehrsfrei?

Dass die sich als „magazinierte Transformationslust“ beschreibende Onlinepräsens der „Streifzüge“ Ulrich Weiß Kritik an Marx „Kritik des Gothaer Programms“ am 1. April (2010 ) präsentiert hatte, hatte, wie ich inzwischen erfaren habe, keinerlei tiefere Bedeutung. Ich hatte das in Erwägung gezogen, weil wegen einem technischen Problem das Kommentieren  unmöglichich war und der Versuch zu einem Spendenaufruf geführt hatte. Es war also keine subtile Kritik an den Autor.

Weiß entlarvt Marx hier als Vulgärsozialist und Antimarxist, weil dieser es in seinen berühmten Randglossen zum Gothaer Vereinigungssprogramm der deutschen Sozialdemokratie versäumt habe, nicht nur die sofortige Geburt sondern auch das sofortige Ausgwachsensein eines geldverkehrsfrei gezeugten Kommunismus zu verlangen, also einen, der ganz unbefleckt vom sündigen Kapitalismus zur Welt zu bringen wäre.  Dieser aus seinem eigenen heiligen Geist gezeugte  „Kommunismus“ solle das Licht der Welt nach Weiß Meinung von Beginn an „vom Werte befreit“ erblicken, sprich Lohnarbeit, Kaufen und Verkaufen usw. sogleich abgeschafft sein und Geld nur noch als Museumsexponate aus grauer Vorzeit vorkommen dürfen.

Weiß schreibt:

Auf die Marxsche Kritik am Gothaer Programm der Sozialdemokratie von 1875 bezogen sich die Theoretiker der „sozialistischen“ Warenproduktion positiv und zwar zu Recht. Die Annahme einer Übergangsgesellschaft, in der auf dem Weg ins „Reich der Freiheit“ noch Kategorien der Warenproduktion und des bürgerlichen Rechts gelten sowie der Staat unerlässlich ist, erschienen auch mir zu DDR-Zeiten überzeugend.

Ernsthafte Kapitalismuskritiker müssen sich auch heute die Frage stellen: Wie ist der Übergang denkbar? Kann eine besondere Übergangsgesellschaft mit heute herrschenden Kategorien beschrieben werden? Wenn nicht, wie dann?

Immerhin streitet Weiß hier nicht generell die Notwendigkeit einer historischen Übergangsphase ab.  Seine per „Anführungszeichen“ um das Wörtchen „sozialistisch“ angedeutete Meinung, dass es für ihn eigentlich keine sozialistische Warenproduktion geben könne, legt allerdings die Vermutung nahe, dass er an die Möglichkeit einer schlichten Abschaffung der Warenproduktion glaubt.

Sozialismus, verstanden als von der gegenwärtigen Weltgesellschaft ausgehender Prozess der Befähigung zur gesellschaftlichen (am Ende weltgemeinschaftlichen) Steuerung des menschlichen Füreinanders, kann nun einmal nicht anders als von der gegenwärtig vorherrschenden Produktionsweise ausgehen, also von der kapitalistischen Warenproduktion. Die kann nicht einfach abgeschafft, sie kann nur – allerdings zunehmend gezielt – überwunden werden.

Um sozial bzw. ökologisch vernünftige Formen der (welt-) gesellschaftlichen Arbeitsteilung zu etablieren, um schließlich zu weltgemeinschaftlichen Formen der Teilung von Arbeitsmühen, Verantwortung, Genuss usw. zu kommen, die es den Menschen und deren Institutionen erlauben, den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden,  muss – zunehmend gezielt – vorangebracht werden, was  „im Schoße der alten Gesellschaft“ in Richtung einer (welt-)gesellschaftlichen Kontrolle der Produktionsmittel geht bzw. unter Umständen dahingehend bewegt werden kann.

Und das muss (abgesehen von einzelnen gesellschaftlichen Experimenten auf Basis entweder von Überfluss an Geld und damit disponiblen Zeit oder von Geldmangel)  ZUNÄCHST auch bedeuten, das Produktionsmittel Geld (Kredit, usw.) unter gesellschaftlicher (am Ende weltgemeinschaftlicher) Kontrolle zu bringen d.h. Stück für Stück mehr Entcheidungsmacht darüber zu gewinnen, auf eine welche Weise es (außer bzw. mittels privater Tauschwertakkumulation) welchen Zwecken dienen soll, d.h. zum Beispiel wie es (etwa durch Festlegung von Öko- und Sozialstandards, Ökosteuern und -zölle usw.) der sozialen Steuerung der Entscheidungen über das zu Produzierende (bzw. über das so nicht zu Produzierende) und die dabei einzuhaltenden Standards dienen kann.

Nicht, weil sich nicht bessere Mittel denken lassen, die individuellen oder institutionellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und  Zwecke des Produzierens mit dem gesellschaftlich dafür aufzubringenden Arbeitsaufwand und den dabei einzuhaltenden Standards ins Benehmen zu setzen, als Geld, sondern weil deren Entwicklung eben Übergangsformen benötigen und nicht anders Wirklichkeit werden können als sich aus entsprechenden (notwendigerweise  ökokapitalistischen) Bemühungen heraus zu schälen.

Sozialismus, oder wie immer man die Übergangsphase zur weltgemeinschaflichen Steuerung der (Re-) Produktion. Pflege und des Genusses menschlichen Reichtums nennen mag, ist kein Zustand  sondern eben dieser Prozess des Übergangs. Also wären die Tatsachen und Umstände zu untersuchen, die diesen Prozess möglich machen, die ihm förderlich sein könnten oder aber die ihn hemmen oder verunmöglichen.

Natürlich waren die von Marx in seiner Kritik des Gothaer Programms angestellten Überlegungen, wie man in einer frühen Phase des Sozialismus  mit relativ unbeholfenen Mitteln (nämlich mittels Stundenzetteln als Geldersatz) der Ausbeutung entkommen könnte, selbst unbeholfen. Sie bestätigen Marx eigene Skepsis gegen utopische Entwürfe. UND durchaus auch den Gedanken, dass sich Sozialismus (= der besagte Übergang) nicht von einem idealisierten „Endzustand“ aus realisiert. Heute muss „Sozialismus“ ZUNÄCHST Ansätze der sozialen Einflussnahme auf die Preisgestaltung aufgreifen und weiter entwickeln, die auch schon lange über die naive Stundenzettelei hinaus gehen. Aber:

„Womit wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Gesellschaft, nicht wie sie sich auf ihrer eignen Grundlage entwickelt hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht, also in jeder Beziehung, ökonomisch, sittlich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft, aus deren Schoß sie herkommt.“

Marx Kritik am Gothaer Programm, MEW 19, 20

Das hätte Marx (und auch Engels) im Übrigen auch besser bedacht, als sie die Notwendigkeit einer „Diktatur des Prolerariats“  propagieren. Konte man damals wirklich nicht ahnen,dass dies gegebenenfalls zur Legitimation bzw. nachträglichen Rationalisierung von Versuchen  herangezogen werden könnte, in angeblicher Stellvertretung für das „noch nicht so weite Proletariat“ im preußischen Stechschritt  zum Weltkommunismus zu marschieren? Das heißt per Erziehungsdiktatur, Verweigerung nennenswerter Informations- Meinungs- oder Koalitionsfreiheit, mittels politischer Willkürjstiz, eines alle Lebensbereiche umfassenden Spitzelwesens und einer schönrednerischen Dauerpropagandaschlacht? Marx hatte sich ja durchaus kritisch zum sich andeutenden Marxismus geäußert.

Marx schrieb:

„Zwischen der kapitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode der revolutionären Umwandlung der einen in die andre. Der entspricht auch eine politische Übergangsperiode, deren Staat nichts andres sein kann als die revolutionäre Diktatur des Proletariats.“

Marx Kritik am Gothaer Programm, MEW 19, 28

Zur historischen Einordnung des Marx/Engelschen Mangels an weiser Voraussicht liefert WIKIPEDIA einige Anhaltspunkte. Die DDR-Oberen und andere ML-Ordensleute hatten bei der Rationalisierung ihrer Fürsorgeanstalt per Marx geistiger Autorität  allerdings sehr selektiv vorgehen  müssen.  Ein paar Zeile weiter heißt es in dessen KaGP nämlich:

„Ganz verwerflich ist eine „Volkserziehung durch den Staat“. Durch ein allgemeines Gesetz die Mittel der Volksschulen bestimmen, die Qualifizierung des Lehrerpersonals, die Unterrichtszweige etc., und, wie es in den Vereinigten Staaten geschieht, durch Staatsinspektoren die Erfüllung dieser gesetzlichen Vorschriften überwachen, ist etwas ganz andres, als den Staat zum Volkserzieher zu ernennen! Vielmehr sind Regierung und Kirche gleichmäßig von jedem Einfluß auf die Schule auszuschließen. Im preußisch-deutschen Reich nun gar (und man helfe sich nicht mit der faulen Ausflucht, daß man von einem „Zukunftsstaat“ spricht; wir haben gesehn, welche Bewandnis es damit hat) bedarf umgekehrt der Staat einer sehr rauhen Erziehung durch das Volk.“

Marx Kritik am Gothaer Programm, MEW 19, 30-31

Allerdings zeigt nicht zuletzt die chinesische Kulturrevolution, dass eine „sehr rauhe Erziehung durch das Volk“  auch Emanzipation von notwendigen Grundlagen der Mitmenschlichkeit  bedeuten kann und entsprechende  Errungenschaften wie auch immer, aber jedenfalls geachtet und effektiv abgesichert gehören.

Für Weiß liegt Marx Fehler allerdings bereits darin, auf eine (welt-)gemeinschaftliche Emanzipation aus der elenden Lohnabhängigkeit durch (letztlich) “ die Arbeiter selber“  zu setzen.

… eine vom Entwicklungsstand der bürgerlichen Gesellschaft unabhängige [grundsätzliche Unmöglichkeit] bestand darin, vom Standpunkt einer kapitalistischen Hauptklasse, vom Proletariat aus, Kommunismus denken zu wollen, zu erwarten, den Proletariern als Proletariern könnte es noch um mehr gehen als um die innerkapitalistischen Verbesserungen ihrer Lebensverhältnisse, erfassbar in den Kategorien der bürgerlichen politischen Ökonomie.

Hier ist das von der Arbeiterfaust beschmutzte Kind zusammen mit dem Badewasser der Kritik ausgeschüttet. Die Marx-Engelsche Idee war eine Verbindung von Arbeiterbewegung und sozialistischer Philosophie bzw. Sozialismus als ein (welt-)gesellschaftliches Projekt, das gerade nicht urwüchsig und spontan der lohn- und gehaltsabhängigen Lebenswirklichkeit entspringt. Dass deren – per  Sozialismus zu bewältigendes (!) – Problem gerade die sich systematisch stets aufs Neue reproduzierende existenzielle Abhängigkeit vom Geschäftserfolg derjenien Unternehmen bzw. Institutionen ist, die das Arbeitsvermögen für ihre eigentümlichen Zwecke nutzen bzw. um die Möglichkeit eines vernünftigen Füreinanders bringen, war Marx natürlich bewusst.

Die „proletarische“ Lebenswirklichkeit nötigt dazu, sich zwecks Abtrotzung besserer Arbeitsbedingungen und eines Mindestmaß an Mittel der eigenen Lebensgestaltung zu organisieren und macht auch politische Initiativen zur Verbesserung der eigenen Lage notwendig . Ein wie immer gestaltetes Projekt der (welt-) gemeinschaftlichen Emanzipation aus der elenden Lage, (ein Nichts bzw. ohnmächtigen Mittel fremder Zwecke zu sein und kaum etwas anderes werden zu können) muss natürlich an solchen Interessenskämpfen anknüpfen.  Die sehr banale Erkenntnis, dass sich diese Interessenskämpfe erst einmal  im Rahmen des kapitalistisch Möglichen bewegen (müssen),  sollte gerade Ansporn sein, nach Ansätzen zu schauen, die ein Projekt der (welt-)gemeinschaftichen Selbstbefreiung aus dem Arbeiterdasein stärken könnten.

Dabei gehört in den Blick, was innerhalb des ganzen bunten Straußes an sozialen Bewegungen Impulse in diese Richtung setzt und unter Umständen noch setzten kann. Die Anti-AKW-Bewegung zum Beispiel IST ein Element der (möglichen) Entwicklung und Verallgemeinerung gesellschaftlichen Bestimmungsbegehrens im Hinblick auf die Produktion. Und es ist nicht unwesentlich, in wie fern sich dabei das elende „Arbeitsplatzargument“  erledigt.

Weiß sieht in Marxens Perspektive einer von den Betroffenen selbst organisierten Arbeiteremanzipation den Grund mangelnder Radikalität in der Theorie weshalb sich die Lohn- und gehaltsabhängigen Massen davon nicht ergriffen zeigen und bezieht sich auf folgende Aussage Marxes:

 Die Theorie „ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem demonstriert, und sie demonstriert ad hominem , sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen“.
 
(MEW 1:385)

Diese frühe Hegelei dürfte den späteren Marx wohl eher peinlich gewesen sein. Die Vorstellung, dass da einmal ein mit dem Weihwasser reinlichster Kritik und radikalstem deutschen Idealismus gewaschener Weltgeist als frohe Botschaft einer radikalen Theorie über „die Massen“ kommen wird, die davon dann ganz und gar „ergriffen“ sein werden, riecht ja nun wirklich nach Mottenkiste linksradikaler Heilserwartungen.

Marx’ Theorie – sofern sie die Möglichkeit des Kommunismus begründet – schlug in der Arbeiterbewegung keine Wurzel. Ihrer Existenz und die ihrer eigenen politischen und gewerkschaftlichen Bewegung legte den Proletariern offenkundig Anderes nahe als die Verwirklichung der ihr zugeschriebenen „weltgeschichtliche[n] Rolle.“

Über die idealistische Begrifflichkeit der „weltgesellschaftlichen Rolle“ muss gestritten werden, aber hier deutet sich ja wohl eine Abkehr von  der marxschen Vorstellung der Notwendigkeit eines organisierten Übergangs zu einem Miteinander auf Basis einer klassenlosen Vergesellschaftung (= Vergemeinschaftung) an.  Dass Weiß die Anmaßungen des so genannten „Realsozialismus“  in einem „antimarxistischen Vulgärsozialismus“ von Marx  begründet sieht statt in den untauglichen materiellen Bedingungen und untauglichen Methoden ihrer Herr zu werden, ist da nur folgerichtig.

„… gemessen an Marx’ sonstigem theoretisch-praktischen Anspruch – die Arbeiterbewegung müsste immer auch das Endziel der Bewegung im Auge haben – zeigt sich dies als ein extrem widersprüchliches, ein quasi antimarxsches Marxdokument. Es steckt voller vulgärsozialistischer Zugeständnisse. Man kann das als Taktik verstehen, als Versuch, überhaupt noch eine geistige Brücke zwischen dem tatsächlichen Horizont der Arbeiterbewegung und Marx’ Kommunismusvorstellungen zu schlagen. Doch gerade dieses Dilemma – es blieb für die revolutionäre Arbeiterbewegung und den Real-„Sozialismus“ bestehen – drückt die logische Konsequenz jeder marxistischen Grundentscheidung aus, das Proletariat als Subjekt der kommunistischen Umwälzung anzusehen.

Es bleibt zu fragen, welche historische Rolle Weiß den lohn- und gehaltsabhängig Beschäftigten zubilligt? Etwa den, die materielle Basis für all die hübschen Umstonst-Ökonomie-Träumchen zu erschuften, die heute als „Communismus“  daher kommen? (Gegen die an sich natürlich gar nichts spricht).

Heute ist leichter zu begreifen: Die tatsächliche Rolle der Arbeiterbewegung bestand darin, die kapitalistische Entwicklung auf einen einigermaßen zivilisationsverträglichen Weg zu zwingen. Die allgemeine Gerechtigkeitsforderung war dafür eine scharfe Waffe. Doch heute, da die kapitalistische Produktionsweise selbst ihre zivilisatorischen Potenzen vernichtet, ist diese Waffe stumpf geworden. Wege aus dem Kapitalismus eröffnet sie nicht.

Nunja: was wahr war, war zweifellos wahr. Doch wer aus der wahrlich wahrhaftigen Wahrnehmung dieser Wahrheit heraus wahrsagt, dass das, was bisher wahr war auch für alle Zukunft wahr sein muss, stiftet Wirrwarr. Weiß sagt zwar mit anderen Worten, dass die materiellen Grundlagen für die historischen Möglichkeit eines gesellschaftlichen Übergangs zum (öko-) kommunistischen Weltwirtschaften bisher nicht gegeben waren. Aber er spricht diese schlichte Wahrheit nicht aus. Die Misserfolge des so genannten „realen Sozialismus“ interpretiert er als Folge einer fehlerhaften Wahrsagung Marxens. Weil die zu wenig radikal gewesen sei, hatte die später nicht „die Massen ergreifen“ können.

Dass bei einem solchen Herangehen Wahrnehmung und Wirklichkeit gern auseinander gehen, liegt nahe.  Das sieht auch an diesem Beispiel bestätigt, wer ein zweites und drittes Mal darüber nachdenkt, ob die zivilisatorschen Potenzen kapitalistischer Vergesellschaftung tatsächlich (erst) HEUTE vernichtet weden, d.h. im Gegensatz etwa zu den Zeiten der beiden Weltkriege.

Über sein Kapital I schrieb er: „Das Beste an meinem Buch ist 1. (darauf beruht alles Verständnis der facts) der gleich im ersten Kapitel hervorgehobene Doppelcharakter der Arbeit , je nachdem sie sich in Gebrauchswert oder Tauschwert ausdrückt; 2. die Behandlung des Mehrwerts unabhängig von seinenbesondren Formen als Profit, Zins, Grundrente etc. Die Behandlung der besondren Formen in der klassischen Ökonomie, die sie beständig mit der allgemeinen Form zusammenwirft, ist eine Olla Potrida [Mischmasch].“ (MEW 31: 326) Solches Mischmach-Denken führt zur Idee, die Übel der kapitalistischen Produktionsweise durch Geld- und Bankreformen zu überwinden.

Marx Selbsteinschätzung über seine besonderen Verdienste geht allerdings weiter. An anderer Stelle stellt er als sein besonderes Verdienst die Bedeutung heraus, die er der Produktivkraftentwicklung als Motor bzw. Grundlage historischer Fortschritte (in der Gestaltung der Produktionsverhältnisse) beimisst. Und genau darauf muss auch heute Bezug genommen werden, wenn über  Finanzkrisen oder ökologische Perspektiven geredet wird. Weiß Unterstellung. hier würde wer  „die Übel der kapitalistischen Produktionsweise durch Geld- und Bankreformen überwinden“ wollen,  nimmt ihren Schein radikaler Marxheiligkeit aus dem Vergessen dieser Dimension – und aus der falschen Vorstellung,  Kommunismus könne unabhängig von den materiallen Möglichkeiten einer tatsächlichen (weltweiten) Vergemeinschaftung einfach so herbei gewünscht werden. Und würde nur deshalb unterbleiben, weil Regierungen kapitalistischer Staaten wegen falschen Theorien Banken retten oder (mehr schlecht als recht) einen Emissionsrechtehandel etablieben statt die Weltrevolution anzuführen.

Über „Sozialismus“ produktiv nachzudenken setzt ein gewisses Verständnis vom dialektischen Charakter geschichtlicher Bewegungen voraus, also wie sich gesellschaftlicher Notwendigkeiten UND Möglichkeiten des Übergang zu weltgemeinschaftlichen Produktionsverhältnissen zu kommen, aus gegenwärtigen (von Srtandpunkt des „kommunistischen „Ideals“ ganz und gar unbefriedigenden) Verhältnissen heraus schälen.. Anti-kapitalistscher Moralismus und das Verlangen nach einer unbefleckten Geburt helfen wenig.

hhh

Nachtrag: Wenn ich hier von Sozialismus als Übergang zu einem weltgemeinschaftlichen Miteinander spreche, widerspreche ich damit durchaus auch der Vorstellung, das Glück der Erde allein in einer Regionalisierung von (Re-)Produktionskreisläufen sehen. Es kann dabei sinnvollerweise nur um die Möglichkeit einer sozial bzw. ökologisch vernünftigen Verzahnung regionaler und überregionaler  (bis gobaler) Beziehungen von Entwicklung, (Re-) Produktion und Konsum   (und immerdabei auch von Wissenschaft und Poesie) gehen. Das genauer zu ergründen ist eine gemeinsame Herausforderung.

Letzte Änderungen am 25.8.2013

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7 Responses to Aprilscherzthesen? Sozialismus geldverkehrsfrei?

  1. Hm, die fehlende Kommentarfunktionbei den Streifzügen scheint ein technischer Fehler zu sein, einige scheinen es aber doch geschafft zu haben (vielleicht haben sie andere Einstellungen an ihrem Computer/in ihren Programmen, ich habe immer eine hohe Datenschutzeinstellung, die da vielleicht was verhindert).

    Ansonsten komme ich nicht ganz mit, mit welchen abfälligen Bemerkungen („Moralismus“, „einfach so herbeigewünscht“, „Schein radikaler Marxheiligkeit“ – okay bei Letzterem ist es doch deutlich auf UW gemünzt…) Du Dich direkt auf Uli Weiß beziehst und was vielleicht nur allgemeine Aussagen gegen irgendwelche anderen Leute sind, die eventuell die Meinungen vertreten, die Du kritisierst. Auf jeden Fall würde ich mehr sachliche Argumentation sehr begrüßen.

  2. Danke für die Anmerkung. Meine Kritik beziehe ich nur auf das von mir Aufgelesene. Ich denke dabei nicht an irgendweche Personen, die vielleicht ähnlich denken. Ich möchte auch den ehrenwerten Uli Weiß nicht als Person angreifen. Moralismus nenne ich die Erwartung, dass Sozialismus Abschaffung der Warenproduktion zur VORAUSSETZUNG hat. Aber vielleicht habe ich ja auch etwas missverstanden.

  3. lorenz glatz sagt:

    annette hat mit „technischer fehler“ recht. die scherzvermutungen sind überflüssig, eine schlichte fehlermeldung wär uns schon beim auftreten vor 2 tagen als kooperatives verhalten willkommen gewesen.
    derzeit lässt sich blöderweis kein artikel auf streifzuege.org kommentieren, weil das textfeld nicht erscheint. möglicherweise steht es im zusammenhang mit einem fehlerhaften widget. ich hoffe, wir können all dem schnell abhilfe schaffen.
    lorenz glatz
    streifzüge-redaktion

  4. lorenz glatz sagt:

    die kommentarfunktion auf streifzüge.org ist repariert.

  5. Wunderbar! Nehmt mir den kleinen Scherz bitte nicht allzu krumm.

  6. hhirschel sagt:

    Nunja, zwei Personen haben nun also ihr Mütchen an der (UN)LIKE-Funktion gekühlt, ohne ihren Groll in Wörter zu fassen.

    So habe ich immerhin vernommen, dass Weiß Text auch im Blog „Wege aus dem Kapitalismus“ wiedergegeben ist, versehen mit einem Kommentar von HGG der fragt, ob der Kapitalismus vielleicht selbst die Übergangsgesellschaft zum Kommunismus ist. Samt Diktatur des Proletariats? Ein interessanter Gedanke.

    http://wadk.de/2012/marxistische-kommunismusvorstellungen/#more-581

  7. hhirschel sagt:

    Habe das heute überarbeitet. Dabei zwei Abschnitte weggelassen, wo ich wohl übers Ziel hinaus geschossen war und einige Kleinigkeiten korrgiert bzw. präzisiert.

    Btw möchte ich zur Diskussion einiger Thesen zur Bestimmung (öko-) kommunistscher Perspektiven (ink. deren Übergänge) auf der Vorstellungsseite dieses Blogs einladen.
    https://oekohumanismus.wordpress.com/about/

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