LuXemburg 3/12 zum Themenfeld »Grüner Sozialismus«(2)

Die neue LuXemburg versammelt 17 Beiträge zum Themenfeld “Grüner Sozialismus” Im Netz sind bis jetzt neben dem Text von Mario Candeias (Was ist sozialistisch am Grünen Sozialismus?) ein zweiter und dritter Beitrag veröffentlicht. (Christoph Spehr Volks-Autos und Kollontai-Höfe? Einstiege in einen Grünen Sozialismus 2030 und Andreas Exner Gleichheit ist rot & grün)  Text Eins und Zwei habe ich im Blog der Zeitschrift  LUXEMBURGGesellschaftsanalyse und linke Praxis kommentiert, mit allerdings dem Nachteil der Verewigung von Schreibfehlern und Ungenauigkeiten oder stilistisch allzu Unausgereiftem.

Obwohl der gleich nach Erscheinen als Appetidanreger veröffentlichte Candreis-Text eine arge Geduldsprobe war (Siehe u.a. meinen Kommentar vom  20.10.) ist meine Neugierde auf dem Rest vom Schützenfest noch ungebremst. Schließlich erwarten mich noch die Texte  von Elmar Altvater, Raul Zelik oder Frieder Otto Wolf.

Zunächst aber zu Andreas Exner. Er sagt einiges Richtige wie dass  …

„Wachstum des Kapitals (…) nicht ökologisch kompatibel sein, (kann) weil es mit steigendem Ressourcendurchsatz einhergeht. Den gilt es zu reduzieren, den Bergbau zurückzufahren und die Landnahme für Agrofuels und Nahrungsmittel zu stoppen.

Allerdings wäre die Behauptung, dass es in Sachen Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch keinerlei Spielräume gibt für deren Gestaltung und Ausbau es sich zu kämpfen lohnt ein fataler Fehler.  Inwieweit Exner den zu begehen empfiehlt bleibt zunächst unklar. Was einmal wieder nervt, ist die berüchtigte Links-Marotte, aus irgendwelchen Gründen nicht genehme „Diskurse und Debatten“ zu dämonisieren und fortan als mit einer Stimme sprechende  Unwesen zu behandeln statt wenigstens den Versuch zu wagen, sich in ihnen zu behaupten und sie damit womöglich  um neue soziale (sozialistische?) Perspektiven zu bereichern. Exner startet seinen Beitrag, indem er die ganze bunte Vielfalt an Deutungsmuster ökologischer Herausforderungen zu DEM Diskurs DER Ökologie zwangsvereinigt. Von DER  Nachhaltigkeitsdebatte weiß er ohne dies näher zu begründen, dass SIE „angestaubt“ ist und nicht in der Lage,

… das gesellschaftliche Verhältnis zu benennen, das zum wachsenden Output an Produkten führt: das Kapital,

während doch …

… nicht eine nebulöse »Wirtschaft« wächst, sondern das Kapital und seine Macht, in Gestalt von Waren.

Womit dann ja aller Nebel gelichtet ist und  für die Vereinten Nationen die Herausforderungen endlich klar auf der Hand liegen. Weiter schreibt Exner

Sicherlich ist es wichtig, für eine rasche Wende hin zu den Erneuerbaren zu kämpfen, tendiert das Kapital doch dazu, die für es technisch viel günstigeren fossilen Energien und Metalle so lang wie möglich auszubeuten und darin getätigte Investitionen zu verteidigen.

Das ist richtig und zeigt im Übrigen, dass das Kapital noch andere Gestalten annehmen kann als die von Waren. (Nämlich etwa die von Steuergelder oder Wählerstimmen).

Noch wichtiger ist, den Kapitalismus zu überwinden, der die Technologien erneuerbarer Ressourcen zu ebenso katastrophalen Waffen gegen den Menschen schmiedet wie jene auf der Basis fossiler Stoffe

Wichtig? Wichtiger? Klingt nach der Vorstellung, die über die „wachsende Kapitalmacht in Gestalt von Waren“ Aufgeklärten dieser Erde hätten nun die freie Wahl, ob sie ihre wertvolle Zeit mit dem Kampf um eine „rasche Wende hin zu den Erneuerbaren“ verbringen wollen oder lieber gleich den Kapitalismus hinwegfegen. Als ob ersteres nicht eine notwendige (wenn natürlich auch nicht hinreichende) Vorbedingung für letzteres wäre. Es kommt halt auch darauf an, die bei der Erfahrung mit ersterem ermöglichte Einsicht in die Notwendigkeit zu stärken, zu einer Grundlage des Weltwirtschaftens zu kommen, die ein hinreichendes Maß an sozialer Steuerung erlaubt.

Die riesenhaften Ansprüche des Kapitals und der zu befriedenden Arbeiterklasse im globalen Norden, die nicht vom Auto lassen möchte, damit zufrieden stellen zu wollen, kann deshalb nur in groß angelegten Vertreibungen enden

Die Gefahr gewaltsamer Krisenlösungen ist ein ernstes Problem. Doch eine „Arbeiterklasse des globalen Nordens“, die als ein soziales (sozialistisches?) Subjekt handeln und etwa entscheiden könnte, dass die Menschen vom Auto lassen, gibt es nicht, und ich bezweifle, dass Aufklärung über die Tatsache, dass die in den Autohäusern präsentierten Schmuckstücke als Waren produziert und angeeignet werden und damit die Macht des Kapitals stärken, in der Lage wäre, ein solches Kollektivsubjekt herzustellen.

Mit mehr als 20 Jahren Verspätung kommt nun ein Teil der Ökologiebewegung darauf, die Nachhaltigkeit kritisch zu hinterfragen. Niko Paech etwa predigt Verzicht mit Verweis auf so genannte Subsistenz (2011)

In diesem Satz kommt nun schon das ganze Elend „linker“ Avantgardephantasien zum Vorschein. Aus der altklugen Sicht eines längst über „das System“ Aufgeklärten und deshalb anscheinend über alle Zwischentöne und -schritte erhabenen Kapitalismuskritikers erscheinen alle anderen „Debatten“ als  die eines bekennenden Anti-Kapitalismus offenbar als naives Gerede einer reaktionären Masse. Ich weiß nicht, wie alt der Autor ist. Im obigen Satz manifestieren sich jedenfalls mehr als 20 Jahre „linke“ Ignoranz gegenüber den sozialen bzw. entwicklungspolitischen Hintergründen, Fortschritten und Fortschrittspotenzialen der Philosophie bzw. Politik einer nachhaltigen Entwicklung und deren Reflexion – von denen nicht nur Nico Peach ein Teil ist.  Gehört doch seit ewigen Zeiten auch eine moralistische Kapitalismuskritik der unbestimmten Art dazu wie diese:

„Profit ohne Maß zählt, nicht der Respekt vor Grenzen.“

Ist eine solche Anklage nicht mehr Ausdruck sozialer Ohnmacht als dass sie Wege zeigt, sie zu überwinden? Zu Gute gehalten werden kann dem Satz zwar die in ihm sichtbar werdende Empörung gegen eine zurecht als unheimlich empfundene Macht falscher Begehrlichkeiten. Aber was ist die Aussage? Was die Perspektive? Welche Grenzen sollen von wem wie respektiert werden?

Warum kein positives  und zugleich kritisches Anknüpfen an die Philosophie bzw. Politik der NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG? Weltweit sollen alle gut leben können ohne dass dies die Grundlagen des Lebens aller zerstört. Was ist dagegen zu sagen? Wäre grüner Sozialismus nicht etwa als Aufgabe zu bestimmen, die noch in einer Parallelwelt schlummernden Nachhaltigkeitsstrategien dergestalt weiter zu entwickeln, dass sie zur (welt-)gesellschaftlichen Macht, d.h. zur Grundlage eines (welt-)gemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagements werden? Und würde letzteres nicht bedeutet, dass sich die weltweit interagierenden Menschen und deren Institutionen in die Lage versetzen, sich gegenseitig Grenzen zu setzen?

Doch es rettet uns nach Meinung des linken Kapitalismuskritikers eben keine nachhaltige Entwicklung. Wie auch die …

… Predigt des Verzichts nicht, weil die Ursache des Kapitalwachstums nicht der Konsum der Lohnabhängigen ist

Und das obwohl nach Meinung des Autors die Arbeiterklasse im globalen Norden nichts dagegen unternimmt, dass Arbeiter Autos kaufen.

… und das Ausmaß des Konsums wie des Verbrauchs durch Investitionen gar nicht ihrem Einfluss unterliegt.

Hier wäre mehr Wissenschaft angebracht. Sicher gehören aus Sicht eines grünen Sozialismus Grenzen eines strategischen Konsums (zugunsten sozialer Emanzipation aus der einkaufsparadiesischen Unschuld) ausgelotet. Immer wieder müsste die Notwendigkeit kollektiver Handlungen heraus gearbeitetwerden und zu einer institutionalisierten Verankerung von Erfolgsbedingungen zu kommen. Aber es muss auch nach Ansätzen geschaut werden, diese Grenzen zu erweitern, d.h. zugunsten mitmenschlicher Weisen der Bestimmung von Produktionszwecken und deren soziale bzw. ökologische Implikationen zu verschieben  Dafür muss sich mit der Geschichte und  den verschiedenen Arten und Aspekten von Konsumbewegungen oder -kampagnen beschäftigt werden, mit deren Erfolge und Misserfolge, mit den damit jeweils einher gehenden (bzw. sich verändernde) Vorstellungen über gesellschaftliche Tatsachen oder Perspektiven und was sich darauf aufbauen ließe.

Vielleicht meinen linke Kapitalismuskritiker, sich solch einen schnöden Empirismus sparen zu können. Das würde erklären, dass sie in dieser Frage ganz entgegen ihres Selbstbildes so oft nicht einmal im Entferntesten die Reflexionshöhe durchschnittlicher (mehr oder minder unpolitischer) Bioladenkunden erreichen, die sich – wenngleich auch oft mit Illusionen in die individuellen Möglichkeiten des guten Vorbildes – wenigstens daranmachen, das an Unmündigkeit zu überwinden,  deren Selbstverschuldung eine Erweiterung  systemischer Spielräume immerhin gestatten.

Der Verzicht auf Warenkonsum, selbst wenn er eine gangbare Strategie darstellte, wäre jedoch ohnehin der falsche Ansatzpunkt. Denn das Kapital lässt nicht für die Befriedigung von Bedürfnissen via Warenkonsum produzieren, sondern für den Profit. Und der entsteht gerade aus dem Teil des Gesamtprodukts, der nicht konsumiert wird.

War etwa der Verzicht auf den Kauf von Waren aus Südafrika als Ausdruck des Protestes gegen das Apardheitsystem oder ist das Fair-Trade-Siegel „der falsche Ansatzpunkt“ weil das Kapital schließlich nicht für die Befriedigung von Bedürfnissen produziert, sondern für den Profit?

Es ist zwar richtig (und wichtig zu wissen), dass unpolitisches, individualistisches „weniger Konsumieren“ derer, die lohnabhängig beschäftigt sind oder von staatlichen Transfergeldern leben im Prinzip nur die Prioritäten des Produzierens verschieben kann etwa in Richtung  Luxuskonsum (mitsamt der dazu nötigen Produktionsmittel), auch zugunsten von mehr oder minder unsinnigen Großprojekten oder von nach profitablen Anlagen um die Welt vagabundierendem Kapital oder um  den Export  in ein Land mit geeigneter Nachfrage anzukurbeln und mit den daraus generierten Profiten allerhand Spekulationsblasen zu produzieren.

Mit der Aussage wird die Erkenntnis dass „das Kapital nicht für die Befriedigung von Bedürfnissen via Warenkonsum produzieren lässt, sondern für den Profit“ aber so vereinseitigt, dass sie ganz falsch wird.Es ist einfach nicht zu fassen, wie ansonsten sehr scharfsinnig in die Welt blickende Menschen, die hunderte Male mit großem Nachdruck erklären, dass „das Kapital ein soziales Verhältnis“ sei, (was allerdings auch nicht ganz korrekt ist, es ist eine Art der Organisation von Produktion und Aneignung, was einen ganzen Strauß  sozialer Verhältnisse einschließt) stets lediglich diesen einen Moment in der Gesamtbewegung der Kapitalreproduktion heraus greifen und im Dienste einer moralischen Anklage einen systematischen Gegensatz zu den anderen Elementen konstruieren, der immer und überall Gültigkeit besitzt.

Zwar ist richtig: Gebrauchswerte bzw. Nutzpotenziale müssen in Gesellschaften mit kapitalistischer Produktionsweise meist gegen Geld eingetauscht werden, dessen Gebrauchswert es ist, die Tauschwerte aller anderen in Warenform vorliegenden Gebrauchswerte zu repräsentieren und die Aneignung der Gebrauchswerte zu vermitteln (dies zu erlauben bzw. zu rechtfertigen).

Selbstverständlich ist es das primäre Ziel kapitalistischer Unternehmen/Investoren, aus Geld mehr Geld zu machen (den  Besitz an Tauschmittel zu vergrößern). Aber das heißt keineswegs, dass den Unternehmen/Investoren bzw. DEM KAPITAL (d.h. den Trägern der sozialen Prozesse, die dem sich selbst vermehrenden Tauschwert zugrunde liegen) die GEBRAUCHSWERTE und die denen zugrunde liegenden BEDÜRFNISSE egal sein können.

Zunächst: Auch die Hüter des im Unternehmensinventar und des monetären Investitionsvolumens vergegenständlichten Kapitals haben Bedürfnisse. Deren Bedürftigkeit besteht vor allem darin, dass ihr Kapital nur ein Kapital der Möglichkeit nach ist und ohne VARIABLES Kapital nichts darstellt und nichts kann außer Kosten zu verursachen. DAS KAPITAL als Gesamtzusammenhang lässt deshalb nicht produzieren. Es produziert durchaus selbst. Denn das im Unternehmensinventar und dessen Verbindlichkeiten sowie im eingesetzten Investitionsvolumen vergegenständlichte Produktivvermögen (das konstante Kapital) muss sich den Gebrauchswert des im eigenen Körper der Lohn- und Gehaltsabhängigen vergegenständlichte Arbeitsvermögen als variables Kapital einverleiben (es tauschwertproduktiv konsumieren), damit das Unternehmen Waren produzieren kann.

Diese Waren sind allerdings nur Waren, d.h. etwas wert, wenn die Aneignung DEREN Gebrauchswerte in der Vorstellungswelt der Aneignenden BEDÜRFNISSE zu erfüllen verspricht. Nur so ist die potenzielle Kundschaft bereit, Geld (die in ihrem Besitz befindlichen Aneignungsrechte) dafür hinzugeben. Und gerade weil es das treibende Bedürfnis der Unternehmenseigentümer und derjenigen, die sonst noch von deren Geschäfte profitieren (wollen), ist, sich dieses Geld anzueignen, ist es ihnen ganz und gar nicht egal, ob die von den Unternehmen angebotenen Waren zu gebrauchen sind oder nicht.

Die enorme Attraktivität kapitalistischer Produktionsweisen rührt gerade aus der alltäglichen Beobachtung, dass der notwendige Wettbewerb der Unternehmen um das attraktivste und günstigste Angebot ein steter Stachel nicht nur zur Entwicklung der Arbeitsproduktivität ist und damit zur beständigen Verwohlfeilung und Ausweitung des Warenangebots, also von Gebrauchswerten, die in der Lage sind, BEDÜRFNISSE zu erfüllen. Der gleiche Wettbewerb  sorgt auch für stetige Produktinnovationen also qualitatives Wachstum – auch der Bedürfnisse. Dies ist die materielle Grundlage auch für das Wachstum von Ansprüchen, Bildung, Genussfähigkeit, sozialer Kompetenz, universellem Verkehr und all der Dinge, die Marx die zivilisatorischen Seiten des Kapitalismus genannt hatte, auf deren Grundlage sich auch die (welt-)kommunistischen Persönlichkeiten und Möglichkeiten erst herausbilden, deren Produktivkraft einst – wenn alles gut geht – die privateigentümliche Hülle der (welt-)gesellschaftlichen Produktion und Aneignung menschlicher Existenzmittel und Reichtümer sprengen wird.

Bevor der Blick auf die gewaltigen Probleme zu richten ist, die uns diese Bereicherungsmaschinerie auch beschert, auf die destruktiven Seiten der von ihr entfesselten Produktivkräfte und dass diese Probleme auf ihrer eigenen Grundlage nicht ausreichend beherrschbar sind, muss klar sein, dass es ganz und gar nicht das Problem DES KAPITALISMUS ist, dass hier die Bedürfnisse der Menschen egal und jedenfalls kein treibendes Produktionsmotiv seien. Dieser allzu platte Versuch einer Deligitimierung des Kapitalismus blockiert nur die eigene Wahrnehmung und damit auch das eigene Weiterdenken. Diese vermeintliche „Gewissheit“ gehört deshalb auf  den Ideologiefriedhof für linke Selbsttäuschungen.

In Wirklichkeit wird es immer mehr zum Problem, dass Kapitalismus zwanghaft danach drängt, immer mehr menschliche Bedürfnisse zu erfüllen – ohne allerdings, dass dies mit den dabei entstehenden Kosten gesellschaftlicher bzw. ökologischer Natur zurück gekoppelt werden kann.

Wenn Kapitalismus an sein Ende kommt, dann, weil die Produktivkraft „Wissen um die existenzielle Notwendigkeit einer GESAMTGESELLSCHAFTLICHEN (also auch weltgesellschaftlichen) Rückkopplung von Produktion bzw. Aneignung menschlicher Existenzsicherung und Bereicherung“ zur gesellschaftsverändernden Kraft wird also einer Kraft der Globalisierten dieser Erde, sich entsprechende (Re-)Produktionsverhältnisse zu schaffen.

Einem so verstandenem grünen Sozialismus des 21. Jahrhunderts stellt sich die Frage, wie der schon von Marx/Engels konstatierte Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter kapitalistischer Produktion und den privateigentümlichen Aneignungsformen aufgehoben werden kann. Also wo im Schoße der alten Gesellschaft etwas in diese Richtung geht unter welchen Umständen sich das wie und soweit weiterentwickeln ließe, dass die gewaltigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts tatsächlich bewältigt werden können, auch welche Hemmnisse dabei zu überwinden wären usw.  In meinen Augen heißt das, mehr (Öko-)Kommunismus zu wagen d.h.  nach mehr oder weniger untergründigen Anlagen und Prozessen moderner, d.h. freiheitlicher Vergemeinschaftung zu schauen.

Das vermisse ich in den bisher erörterten Texten des „Themenfeldes  »Grüner Sozialismus«“ .

Andreas Exner bemerkt zwar richtig:

„Erst in einem kooperativen Zusammenhang kann es eine bewusste Verteilung von Ressourcen geben, die einen Ausgleich der historisch durchgesetzten Ungleichheiten zwischen Nord und Süd und unterschiedlichen sozialen Schichten bewirkt.“

Aber er behauptet zugleich, dass „Gesellschaft nicht steuerbar“ ist. und ich lese nichts darüber, wie sich dieser kooperative Zusammenhang im Weltumfang möglicherweise herstellt, d.h. welche Ansätze es in diese Richtung schon gibt, wie die dabei notwendigerweise auftretenden („ökokapitalistischen“)  Halbheiten am Ende überwunden werden können.  Exner tritt engagiert für mehr soziale Gleichheit ein, was natürlich richtig und wichtig ist auch eine notwendige Bedingung für die Möglichkeit einer wirklichen Völkerbewegung in Richtung eines Füreinander-Produzierens auf Basis eines gemeinsamen Nachhaltigkeitsmanagements (eines umweltbewussten Miteinanders).  Aber  die Argumentation, dass erst einmal Gleichheit herzustellen sei, und dann hätten die Menschen nicht mehr so einen Konsumhunger und alles wird grün, klingt doch eher nach einem mechanistischen als einem dialektischen Verständnis von Entwicklung. Auch Exners Blick auf die Möglichkeit einer „Überwindung des Kapitalverhältnisses durch Ausweitung Solidarischer Ökonomien und von Commons“   bleibt einer vordergründigen Delegitimierungslogik verhaftet. So interessant auch das sich hier entwickelnde Potenzial ist, zieht doch diese Einseitigkeit der frohen Erwartung die Aufmerksamkeit eher ab von Potenzialen eines grünen Sozialismus wie sie sich immer wieder auch innerhalb des kapitalen Warensinns entwickeln.

hhh

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One Response to LuXemburg 3/12 zum Themenfeld »Grüner Sozialismus«(2)

  1. […] meist nur häppchenweise.  (Siehe  bisher LuXemburg 3/12 zum Themenfeld »Grüner Sozialismus«(2)  und […]

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