Das COMMONS BUCH (2)

Ein erneuter Blick in das Commons Buch

Das von der Böllstiftung  und der Commons-Expertin Silke Helfrich herausgegebene 400 Seiten starke Lesebuch, in dem 90 Autor_innen aus 30 Ländern unter anderem darüber aufklären, was mehr wird wenn wir es teilen, ist natürlich ein MUSS.  Werde mich hier also nach und nach mit seinen einzelnen Beiträgen auseinandersetzen.

Als gedruckte Buch erhält man es gegen eine »Bereitstellungspauschale« von 24,80€ bei der Böll-Stiftung,  zum selben Preis auch beim Transcript-Verlag oder kostenlos als PDF-Download unter einer Creative-Commons-Lizenz (by-sa).

Auf Keimform ist der von Ugo Mattei beigesteuerter Text „Die Ursprünge der modernen Wissensordnung“ wiedergegeben.  Dessen „antirationalistischer“ Blickwinkel provoziert Nachfragen

Eine interessante Besprechung gibt es im Südewsfunk

Silke Helferich und Heinrich Böll Stiftung: COMMENS Rezension von Martin Zähringer SWR2 Forum Buch, 26.8.2012 | 8:23 min

Ich setzte an dieser Stelle meine im Kommentaer vom 7.8.12 begonnenes lautes (kritisches) Nachdenken  über einzelne Textpassagen fort.  Nachdem Helfrich und Bollier in ihrer Einleitung (auf Seite 17) behauptet hatten, dass Staat und Markt  „die Vision“ von  in einem liberalen Gemeinwesen eingebetteten „Endloswachstum und Konsumentenzufriedenheit verfolgen“, behaupten sie nun, dass „der Markt“ den dafür zu zahlenden Preis bestimmt.

Der Markt bestimmt dafür den Preis. Er verwaltet Personen, Kapital und Ressourcen, um materiellen Wohlstand zu generieren. [S. 17]

Der Satz scheint mir allerdings mehr Ausdruck des kapitalistischen Warensinns zu sein als ein geeignetes Mittelchen, ihn zu überwinden. Weder ist „der Markt“ ein mit eigenem Geist (und entsprechenden Visionen) beseelter Dämon, der etwa in der Lage wäre, Personen, Kapital und und Ressourcen zu „verwalten“ (?),  noch bestimmt „er“ irgendwelche Kosten.

Der Markt, also die Konkurrenz derer, die (entsprechend ihrer Stellung im kapitalistischen (Re-)Produktionsprozess) mehr oder minder genötigt sind,  zu ihrem privaten Vorteil Waren anzubieten oder zu erwerben, ERMITTELT  die Tausch- bzw. Aneignungs- und Veräußerungswerte der angeboteten Güter und Dienste. BESTIMMT werden die (unter der Bedingung freier Verfügbarkeit über das im eigenen „Selbst“ verkörperte Arbeitsvermögen und der Notwendigkeit, es zwecks Warenproduktion an jene Produktionsmittelbesitzende zu vermieten, die dann das erarbeitete Produkt am Markt anbeten)  entsprechend der für die Her- und Bereitstellung der begehrten Gebrauchswerte im gesellschaftlichen Durchschnitte zu investierenden Arbeitszeit.

Wobei die Warenverkäufer zugleich Aneigner der Geldware sind, deren staatlich garantierter Gebrauchswert es ist,  für eine gewisse Zeit den am Markt ermittelten Tauschwert bewahren zu können, was entsprechend des damit repräsentierten Warenwerts die Freiheit vermittelt, es gegen jede beliebige andere Ware eintauschen zu können. Wobei  das  Vermögen zur Anhäufung von Existenz- und  Bereicherungsmitteln in nennenswertem Umfang in der Regel denen vorbehalten ist, die über die außerhalb des eigenen Körpers vergegenständlichten Produktionsmittel verfügen.

Dabei machen sich die darin – mehr oder minder zwangsläufig – verwickelten Personen und Institutionen gegenseitig zu Ressourcen  bzw. potenziellen Nutzern außermenschlichen Potenziale.

Der Waren aneignende Part ist dabei (unter diesen Bedingungen) an  möglichst geringe Warenpreise interssiert also ohne die sozialen bzw. ökologischen Bedingungen dessen reflektieren zu müssen daran, dass möglicht wenig Arbeitskraft für die Reproduktion des Begehrten zu investieren ist.

Während der die Waren veräußernde (und die Geldware aneignende) Part (unter diesen Bedingungen) daran interessiert sein muss, „Geld zu machen“, d.h. mittels dabei angeeignetem Geld möglichst  hohe Aneignungsrechte für Mittel der Existenzsicherung und – gegebenenfalls – der Bereicherung zu akkumulieren.

Wie das Wachstumszwänge generiert, habe ich im letzten Kommentar beschrieben. Was den Wohlfahrtsgewinn betrifft, ist auch das keine „Vision von Markt und Staat“  und auch nicht deren Strategie sondern Ergebnis von Klassenkämpfen, deren Erfolgsaussichten weitgehed von (von der Konkurrezsituation erzwungenen) Produktivitätsfortschritten abhängen.

Die Möglichkeit freier, d.h. vernunftgeleiterer (also am Ende weltgemeinschaftlicher) Entscheidung darüber, was wo wie lange in welchem Ausmaß wachsen oder schrumpfen soll und also endlich auch soziale bzw. ökologsche (= nicht in Geld ausdrückbare) Nutzen/Kosten Rechungen zur Basis des ökonomischen Tuns zu machen, hängt deshalb wohl – unter anderem – auch von den Aussichten ab, Klassenkämpfe überflüssig zu machen.

Wobei es allerdings IMMER eine Notwendigkeit eines besonders Augenmerkes auf die Produktionsbedingungen (in sozialer bzw. ökologischer Hinsicht) geben dürfte. Auch die Notwendigkeit einer EIGENSTÄNDLICHEN Organisiertheit der damit verbundenen Interessens- bzw. Bedürfnisagen (auch im Hinblick auf mit besonderen Leistungen evt. zu verküpfenden Rechte) nicht vorschnell und damit leichtfertig (und schon gar nicht irreversibel) negiert werden sollte.

 

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