Sind die Begriffe „Selbstbestimmung“ und „Freiheit“ die neuen Götter, und sollten die nicht besser entzaubert werden?

„Man muss, wenn von Freiheit gesprochen wird, immer wohl achtgeben, ob es nicht Privat­interessen sind, von denen gesprochen wird.“

(Hegel)

Die Helle Panke hatte zum Austausch über „Historischen Materialismus und/oder Geschichtsphilosophie?“  geladen. Und ich war mehr her- als hingerissen. Hingerissen wegen der zu erwartenen Anregungen und Hinweise für mich  philosophiegeschichtlich bildungsfernen Menschen, den nichts desto trotz die Frage nach dem Potenzial einer explizit (öko-)humanistischen Perspektive des historschen Materialismus á la Marx umtreibt, (gerade im Hinblick auf – in Widerspruch zur alten Ordnung geratenen – Prodktivkräften und welche Rolle dabei Philosohie und Wissenschaft jeweils spielen – sollten). Hergerissen weil mich philosophische Diskurse doch oft sehr nerven.

Das gilt insbesondere für das Hantieren mit Begriffen von diesem und jenem, die als Fetisch funktionierenden sobald sie  vom jeweiligen Kontext lösgelöst benutzt werden. Und sodann als ideologische Fixterne erstrahlen, die Orientierung versprechen. Freiheit und Selbstbestimmung sind z.B. solche Begriffe. Als mit eigenem Geist beseelt vorgestellte fixe Ideen steigen sie zu neuen Göttern auf, deren Macht es gegebenenfalls zu maximieren gilt. Gewiss eine unendliche Quelle der Inspiration. Aber als solche auch der (Selbst-)Suggestion mit relegiös anmutenden Weihen.

So frage ich mich, warum ich etwa die Freiheit maximeren soll. Die schließt  die einkaufsparadisische Freiheit von der Notwendigkeit ein, sich die sozialen bzw. ökologischen Voraussetzungen und Folgen des eigenen Tuns durch den  Kopf gehen zu lassen und am Ende dafür auch (selbst mit) gerade stehen  zu müssen. Welchen Sinn hat es, ohne Kontext über Freiheit zu reden, d.h. ohne darüber zu reden, wovon und zu was welche Freihiet notwenig sein soll.

Und wieso sollte mich die Selbstbestimmung vor DER Fremdbestimmung retten? Eine (öko-)kommunistische bzw. (öko-)humanistische Perspektive müsste darauf abzielen, Abstimmungsprozesse zur Basis eines am Ende weltgemeinschaftlichen Miteinanders zu machen, das die Globalisierten dieser Erde in die Lage versetzte, als Teil der menschlichen Gemeinschaft zu handeln. Denn wie sonst können vernünftige Produktionsstandards gesetzt werden, die es also möglich machen, dass am Ende alle gut leben können ohne dass dies zugleich die Lebensgrundlagen vernichtet? (Einzelner, vieler und am Ende aller). Und wäre das dazu passende Zauberwort nicht eher die Selbst-Mitgestalten oder auch schlicht Mitbestimmung, also an der weltgemeinschaftlichen Festlegung der Produktionsziele,-standerds usw. selbst mitwirken zu können?

Das ging mir so beim Lesen eines als Diskussionsgrundlage angegebenen Text von Karl Reitter

http://www.grundrisse.net/grundrisse41

/Bedeutung_und_Defizite_der_Ethik_Spinozas.htm

Aber vielleicht täuschte auch mein erster Eindruck und ich war nur zu ungeduldig. Reitter setzt sich in dem angegebenen Text dafür ein, einen Unterschied zwischen Arbeitskraft (nach Marx) und Tätigkeitsvermögen (nach Spinoza) zu machen. Er erinnert allerdings daran, dass Marx nicht nur auf die Arbeitskraft als das dem Kapitalverhältnis eigene Tätigkeitsermögen blickt, dessen Produktivkraft (als Quelle gesellschaftlichen Reichtums) „fremdbestimmt“  als „Produktivkraft der Arbeit“ entwickelt und genutzt wird. Marx habe auch selbst einen anthropologischen „Arbeitsbegriff“ vertreten. der das allgemein menschliche Vermögen bezeichnet, auf die Natur außer ihm einzuwirken, sie zu verändern, damit zugleich die eigene Natur zu verhändern und  die in der Natur schlummenrnde Potenzen dem Spiel ihrer eigenen Kräfte und Botmäßigkeit zu unterwerfen.(Vergl. MEW 23; 192)

Aber müsse die strukturelle Fremdbestimmung im kapitalistischen Produktionsprozess überwunden werden, die die Menschen von ihren ersten Lebensbedürfnissen trennt und damit entfremdet. Und:

„Wohl lässt das Kapitalverhältnis für bestimmte Schichten einen positiven Bezug zur Erwerbsarbeit durchaus zu und fordert bestimmte Kompetenzen. Was das Kapital jedoch niemals ermöglichen kann, ist die tatsächliche und umfassende Selbstbestimmung, ist Autonomie im Arbeitsvollzug.

Tatsächliche und umfassende Autonomie (= Freiheit bzw. Selbstbestimmung) im Arbeitsvollzug?  Hier beginnt meine Schwierigkeit. Wie soll ich das verstehen? Autonomie, Freiheit oder Selbstbestimmung sagen mir ohne  Nennung eines Kontext nichts. Wovon und zu welchem Zweck ist Autonomie, Freiheit, bzw. Selbstbestimmung im Arbeitsvollzug wann gut? Was stelle ich mir unter einer umfassenden Freiheit, Selbstbestimmung bzw. Autonomie im Arbeitsvollzug vor? Was macht Freiheit zu einer tatsächlichen?

Zugewinne an Freiheit etwa der Wahl von Berufen oder Jobs, an Möglichkeiten, Arbeit mit allen möglichen sozialen Bedürfnissen oder Anforderungen ins Benehmen zu setzen, an Möglichkeiten, die Ergebnisse und Nebenwirkungen des eigenen UND gemeinsamen (Mit-)Tuns beeinflussen und am Ende gut finden zu können bedeuten zweifelos ein Gewinn an Lebensqualität und mitmenschlichen Perspektiven. Wer wäre dagegen? Allerdings:

Kein Mensch bekämpft die Freiheit; er bekämpft
höchstens die Freiheit der anderen.

Marx:  MEW Bd. 1, S. 51

Tatsächlich ist es ein zentrales Problem unserer Zeit, dass die Kapitalverhältnisse die menschlichen Möglichkeiten einerseits unwillkürlich voran bringen, weil das Kapital als „Fanatiker der Verwertung des Werts zur rücksichtsosen Produktion um der Produktion Willen  zwingt“ (MEW 23, zitiert nach dem oben angegebenen Reitter-Text), aber genau der gleiche kapitalistische Fortschrittsautomatismus all die schönen Zugewinne an vermeintlicher oder tatsächlicher Autonomie (Selbstbestimmung bzw. Freiheit) wiederum zu Voraussetzungen seiner eigenen Fortentwicklung  als Automatismus macht, der nicht wirklich beherrschbar ist und dessen Weiterso ebenso unwillkürlich zu Ergebnissen führt, die am Ende kein Mensch gewollt haben dürfte.

Das Problem ist also, dass das freie (nämlich von der Mitsprache über die Entwicklung und den Einsatz der eigenen Existenz- und Bereicherungsmittel befreite) Selbst, auch selbst Teil des Problems ist.  Adorno hat eben recht: Es gibt wirklich kein richtiges Leben im falschen.

Was allerdings nicht heißt, dass einigermaßen richtiges Streben unmöglich wäre und nicht genauer hingesehen werden müsste, wie sich das Bedürfnis nach einem positiven Bezug zur Erwerbsarbeit, deren Wirklichkeit und die dabei (nicht) erworbenen Fertigkeiten (mitsamt dem damit einher gehenden Begehren und Bedenken) fort- oder auch zurückentwickeln. Und wie sich das gegebenenfalls mit  außerhalb des Gelderwerbslebens wachsenden (um-) weltpolitischen Bedürfnissen, -ideen und -ansätzen verbindet oder verbinden ließe.

Reitter bleibt aber erst einmal beim Gegensatz zwischen Zwang und Freiheit und weist (richtig) darauf hin, dass der Besitz von Tätigkeitsvermögen nicht die Freiheit einschließt, es nach eigenem Gutdünken einzusetzen. (Dazu müssten die Produktivkräften halt im Widerspruch zu den Produktionsverhältnissen geraten und diese umgestalten). Nach Spinoza würde der menschliche Geist seinem Körper von Natur aus ein möglichst größes Tätigkeitsvermögen verschaffen wollen, damit er „sein Sein“ (also sich) besser behaupten kann.  Als Arbeitskraft ist das menschliche Tätigkeitsvermögen aber (nach Reitter „außer für einige Privilegierte“)  fremdbestimmt (unfrei bzw. nicht autonom), weil fremde (Kapital-)Bedürfnisse bestimmen, was mit den notgedrungen vermieteten Anteilen des eigenen Tätigkeitsvermögens zu geschehen hat. Und als was sich die Tätigkeitsvermögenden am Ende zu reproduzieran haben, nämlich als Arbeitskräfte, die in der Lage sind, des eigenen Überlebens und Vorteils Willen fremden (selbst nicht wirklich gewollten) Zwecken dienlich zu sein oder sich zu eigen zu machen. Und unfähig, andere Teile des eigenen Tätigkeitsvermögens gesellschaftlich fruchtbart zu machen.

„Ebenso versucht das Kapital, die gesellschaftliche Seinsweise des Proletariates zu fixieren, nämlich als allgemeines Arbeitsvermögen, welches dem Kapital nach Tunlichkeit zur Verfügung steht“

Meines Erachtens hätte an der Stelle nahe gelegen, nun danach zu fragen, (bzw. die Notwendigkeit dieser Frage an der Stelle zu erörtern), wie sich die individuellen Möglichkeiten der eigenen Existenzsicherung und Bereicherung infolge der erwähnten Nötigung zur „rücksichtslosen  Produktion um der Produktion Willen“ tatächlich entwickeln. Darunter auch, welche Formen der Selbstbestimmung (Autonomie, bzw. Freiheit) sich dabei herausbilden und welche Rolle die spielen. Inwieweit (und unter welchen Umständen) Freiheit, Selbstbesrtimmung bzw. Autonomie mehr zum Teil eines Problem oder mehr zum Teil  dessen Lösung werden.

Reitter stellt hier erst einmal nur fest, dass Spinoza, weil er die kapitalistischen Existenzbedingungen und damit die Entfremdung der Menschen voneinander und der Natur (einschließlich ihrer eigenen Natur) noch nicht kannte, nicht wie später Marx deutlich machen konnte, was die Menschen vom „wahrhaften Handeln“ abhält.

Wahrhaftes Handeln?  Warum soll ich wissen wollen, was ein Handeln zu einem wahrhaften macht? Warum nicht nach (un-)vernünftigen Zwecken, Mitteln oder Umständen des Handelns  fragen? Warum weckt die folgende Definition Reitters in mir den Eindruck einer Flucht in die Abstraktion?

„Wir handeln nur dann, wenn unsere Aktivitäten einzig und allein aus dem Streben folgen, unser Sein zu erhalten, wenn ausschließlich wir die Ursache unserer Aktivitäten sind.“

Hätte er zu umschreiben versucht, was es heißt, menschlich,  mitmenschlich oder vernünftig zu handeln und behauptet, dass ein Handeln nur mitmenschlich usw. sei, wenn es dazu beiträgt, die Möglichkeiten auch des eigenen „Körpers“ zum Menschsein bzw. Menschlichsein (Mitmenschlichsein, Vernünftigsein) zu erhalten und zu erweitern, dies aber nur als gemeinsame Aktion mit den (dazu bereit und in der Lage seienden) Mitmenschen möglicht sei,  könnte ich mit diesem Satz etwas anfangen.

Ich könnte den Satz etwa zum Anlass nehmen, mich zu fragen, ob  die Freude daran gemeint sein könnte, etwas zu produzieren, von dem sich schon in der Planungsphase mit einigermaßen Sicherheit sagen lässt, dass das nachhaltig Freude bereiten dürfte. Oder ob Menschlichsein heißt, Reaktionen auf  die Früchte des eigenen Tuns zu Erkenntnissen darüber verarbeten zu können, wie (und wieso) nicht nur der Arbeitsvollzug sondern auch bereits dessen Planung, die nötige Motivation aber auch der erzeugte Nutzen zu vervollkomnen oder zu mehren wären.

Aber wieso soll ich ein Handeln nicht mehr ein Handeln nennen, wenn es nicht  „das Handeln“ ist, und „das Handeln“ nur eines ist, wenn  „wir“ (?) Ursache „unserer“ (?) Aktivitäten sind und davon motiviert „unser“ Sein (aber was für eine Art Sein?) zu erhalten?

Ich ahne, dass es Reitter dabei um die Entwicklung eines Handelns (bzw. von Handlungsfreiheit) gehen könnte, das der Zukunft (also dem Werden) der Menschheit als Ganzes gewidtmet und von ihr am Ende auch tatsächlich gewollt ist. Und er nur das Handeln als ein richtiges (!) Handeln sehen kann, das auch wirklich in diese Richtung geht und dazu beiträgt, dass am Ende tatsächlich nahezu alle Menschen in der Lage wären, dieses Handeln richtig zu finden. Dass also die Mehrung der allgemein menschlichen Möglichkeiten der Existenzsicherung und Bereicherung als Teil des eigenen Richtighandelns gesehen werden (können), das auch selbst (mit) gewollt, (mit) getan und (mit) zu verantworten war bzw. ist.

Geht es nicht um die Etablierung von Verhältnisssen, die es am Ende allen Menschen erlauben, sich selbst als ein aktives und das Ganze mitgestaltendes  Funktionselement der ganzen Menschheit zu sehen? Also in die Lage zu kommen, ein selbstbewusster Teil eines gemeinsamen Bestrebens nach Mehrung der menschlichen Möglichkeiten zu sein und die  Richtlinien der menschlichen Existenzsicherung und Bereicherung mitzubestimmen?

Das müsste dann die Frage nach der Etablierung einer als solche tatsächlich handlungsfähigen Menschheit aufwerfen, also nach einem historischen Projekt, das sehr bewusst auf die Herstellung einer Weltgemeinschaft zielt, deren teilautonome Konstruktionselemente sich weitgehend freiwillig auf gemeinsame Ziele einigen, also darauf, was nun im Großen und Ganzen aus diesem und jenem „Sein“ werden soll.

Es stünde damit die Frage im Raum, wo bzw. womit sich entsprechende Vergemeinschaftungsprozesse andeuten, und wie und in welcher Geschwindigkeit die gegebenenfalls voran gebracht werden müssten bzw. können. Auch, was zu tun wäre, damit die gewünschte Gemeinschaft bzw. Vergemeinschaftung als Bezugsrahmen des eigenen Handelns (Begehrens und Bedenkens) keine reaktionäre, d.h. regressiv-repressiv antimoderne, illusionäre Formen annimmt bzw. konserviert, sondern sich modere, d.h. freiheitliche Formen der Herausbildung einer Vereinigten Menschheit entwickeln.

Aber wie sieht es derzeit mit Ideen aus, die diesem Vorhaben adäquat wären? .

Reitter zitiert Sinoza…

„Hieraus folgt, dass der Geist um so mehr dem Leiden unterworfen ist, je mehr inadäquate Ideen er hat, dass er dagegen um so mehr handelt, je mehr adäquate Ideen er hat.“

… und zeigt, dass für Spinoza diejeigen Ideen adäquat seien, denen es gelingt, die Möglichkeiten des eigenen Körpers zu steigern, affiziert zu werden und selbst zu affizieren (also sich nützlich machen und aus den Tätigkeiten anderer selbst einen Nutzen ziehen zu können).

Berührungspunkte mit Marx sieht Reitter in dessen Kritik an „Reduktion, Einschränkung, Fixierung auf bestimmte Lebensvollzüge“, die für Marx stets negativ als Gegensatz zu Allseitigkeit und wahrem Reichtum bestimmt seien, die Bedingungen wie Resultat von Freiheit sein.

„So lesen wir in den Grundrissen einer Vorarbeit zum Kapital: „In fact aber, wenn die bornierte bürgerliche Form abgestreift wird, was ist der Reichtum anders, als die im universellen Austausch erzeugte Universalität der Bedürfnisse, Fähigkeiten, Genüsse, Produktivkräfte etc. der Individuen?“ (MEW 42; 395f) Eine Gesellschaft des wahren Reichtums könnte also bewirken, was Spinoza für Befreiung als grundlegend erachtet: „Der letzte Zweck des von der Vernunft geleiteten Menschen oder seine höchste Begierde, durch die er alle übrigen zu lenken trachtet, ist daher diejenige [Begierde], durch die er dahin gebracht wird, sich und alle Dinge, die in den Bereich seines Erkenntnisvermögens fallen können, adäquat zu begreifen.“ (Hauptsatz 4)“

Gut, aber welche Ideen „adäquat“ sind, hängt nicht wirklich am Fixstern „die Freiheit“ auch wenn eine Menge Freiheiten notwendig sind, um darüber einigermaßen vernünftige Aussagn treffen zu können. (Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit oder Informationsfreiheit zum Beispiel). Marx zeigte, dass die Sache um einiges verzwickter ist, worauf Reitter an anderer Stelle selbst hinweist:

Die kapitalistische Reduktion und Fixierung der Möglichkeiten menschlicher „Körper“ auf das, was garantiert, dass sie sich mitsamt ihrer „selbstbestimmten“ Ideen und Freiheitssehnsüchte für ihnen fremde Zwecke funktionalisieren lassen, konterkatiert zweifellos das allgemein menschliche Begehren nach Sicherung und Erweiterung der eigenen Möglichkeiten. Aber die modernen Zwänge kapitalistischer Produktions- bzw. Vergesellschaftungsweisen kommen dem menschlichen Freiheitsdrang  auch entgegen und stacheln ihn gar zu immer neuen Begehrlichkeiten und durchaus auch Fähigkeiten an, die duchaus auch in Konflikt mit den gegebenen Produktions/Aneignmungsverhältnissen geraten können.

Weil etwa mit dem Problem behaftet, dass sich dabei  (wie Marx/Engels bereits in den Pariser Manuskipten erwähnten) nicht nur unwillkürlich per Smith‘ unsichtbarer Hand „Blödsinn in Verstand“ sondern ebenso unwillkürlich für sich betrachtet durchaus vernünftiges Streben in gesellschaftliche (und am Ende auch persönliche) Unvernunft verwandelt.

Erkannt werden sollte deshalb, was Verhältnisse so borniert macht, dass sie ein  Handeln, Begehren und Bedenken, das der Reproduktion und Erweiterung eigener Möglichkeiten erst einmal dienlich (und insofern rational) ist, unweigerlich in gesellschaftliche Unvernunft verwandeln. Und es sollte vielleicht nach solchen Ideen geschaut werden, die helfen, die so (in aller Unschuld) aufgehäuften Probleme zu bewältigen, heißt,  sich als adäquate Mittel erweisen, auch nachhaltig richtig zu handeln.

„Wenn wir die Verhältnisse betrachten, die Spinoza in seiner Ethik thematisiert, finden wir zwar vergesellschaftete Menschen, die des Gemeinwesens unbedingt bedürfen, aber sie wirken seltsam nebeneinander gestellt. Kein gemeinsames Tun, kein Arbeitsprozess verbindet sie.“

Wir aber sind heute herausgefordert, Grundlagen für ein nachhaltig  friedliches, solidarsches und dazu auch noch ökologisch hinreichend rücksichtsvolles Miteinander zu erarbeiten.  Und das erfordert eine (historisch gesehen außerordentlich rasche) Verständigung. Aber  nicht darauf, was „uns“ ein Handeln erlaubt, das den Namen „Handeln“ verdient (dem Begriff des Handelns entspricht) oder was „uns“ ein solches „wahres Handeln“ ermöglicht. Es gilt herauszufinden, was wie wen in die Lage versetzen kann, hinreichend (rasch) zur Ortung und Bewältigung der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts beitragen zu können. Die Fragen sind, was, wo (und wie) bereits in eine solche Richtung geht oder zu tun wäre und zwar in einer Weise und in Zeiträumen, die den identifizierten Problemlagen adäquat sind.

Die Erinnerung an Sinozas Sicht der Dinge könnte sicher anregen, dem falschen  Dualismus von gespenstigem „Geist“ und und geistlosem „Körper“ entgegen zu wirken,. Etwa um sie zur umweltbewussten Persönlichkeit zu vereinen, die sich an die Arbeit machen, die Vielfältigkeit der Beziehungen von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen (die etwa technologische Möglichkeiten fruchtbar oder furchtbar machen) und deren Wechselwirkungen näher zu erfassen und wie das zugunsten gemeinsam bestimmter Ziele fruchtbar gemacht werden kann. Aber warum nicht eiter gehen und den auch nicht viel trefflicheren  Dualismus von Zwang und Freiheit bzw. Lebens- und Systemwelt in Frage stellen? Und vor allem mehr (Öko-)Kommunismus zu wagen 😉

So weit ersteinmal.  Hoffe, dass mein laienhaftes Nachhaken nicht zu sehr missverstanden, nicht übel genommen und auch nicht ganz vergeblich ist.

hh

Zur Fetischfunktion heilig gesprochener Begrifflichkeiten siehe auch

https://oekohumanismus.wordpress.com/fetischbegriff-bedarf/

Über Marx Perspektive der Ententfremdung, siehe auch:

https://oekohumanismus.files.wordpress.com/2012/08/wohin-mit-marx-ententfremdung.pdf

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