Projekt Menschliche Gemeinschaft

Peter Wahl von WEED spricht in seiner Auseinandersetzung mit den (Nicht-) Ergebnissen von Rio+20: eine beachtliche Wahrheit aus

„Eine der Hauptursachen für die Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung der Großkonferenzen besteht darin, dass die vielbeschworene Internationale Gemeinschaft nur als leere Abstraktion, nicht aber als handlungsfähiger Akteur existiert.“

Peter Wahl, Juni 2012: „Wenn Du merkst, Du reitest ein totes Pferd, steig ab!“ Rio+20 – Der Multilateralismus in der Sackgasse (PDF)

Sollte dann nicht die Herstellung einer als solche handlungsfähigen Menschheit als ein gesellschaftliches Projekt bestimmt werden? Hängt die Möglichkeit eines ökologisch halbwegs vernüftigen Weltwirtschaftens nicht tatsächlich vom Erfolg eines solchen Unternehmens ab? Warum möchte er nur ergründen, was einem (etwa klimapolitisch) erforgreichen UN-Multitatarismus (bzw. einem linken Stakeholderlobbyismus in diese Richtung) derzeit im Wege steht?

Wäre es nicht an der Zeit, zusammen zu tragen, was bereits in Richtung  einer menschlichen (Re-)Produktionsgemeinschaft drängt und unter welchen Umständen sich das Drängen zu einem bewussten Element der Herstellung einer menschlichen Gemeinschaft weiterentwickeln ließe, die es den weltweit miteinander interagierenden Subjekten (Personen, Gruppen, Institutionen) tatsächlich gestattet, die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfolgversprechend anzugehen? Das heißt in einer Weise, die den identifizierten Menschheitsproblemen wirklich adäquat ist?

Alles in dieser Hinsicht nach vorn drängende, unter Einschluss der sich infolge der „Weltsozialforen“ heraus bildenden Schnatterrunden bunter Protestvölkchen ist in der Sache immer zugleich Teil des Problems und Teil deren Lösung, und es käme darauf an, jedesmal herauszufinden, wie sich das jeweils in Richtung Problemlösungskompetenz verschieben ließe. Der aus Anlass der Rio+20 Konferenz  tagende „Völkergipfel“  war schon von Titel her eine krude Anmaßung, die auch zeigt, das es wohl noch nicht ganz soweit ist, dass das Projekt einer Vereinigten Menschheit ernsthaft auf die Tagesordnung sozialer Emanzipationsbestrebungen gesetzt werden kann.  Die vom angeblichen „Völkergipfel“ vertretene Hauptstoßrichtung gegen „DAS Konzept der Green Economy“  war politisch pupertär und operierte womöglich auch nicht ganz losgelöst von Interessen der Hauptgeldgeber, d.h. links regierter Erdölförderländer Lateinamerikas bzw. einer brasilianischen Regierung, die sich gerade über Zumutungen der EU im Hinblick auf ökologische Mindeststandards beim „Biofuel“  ärgern dürfte oder der es sehr zupass kommt, dass etwa ihr schändliches BeloMonte Staudammprojekt  zu einem „Green-Economy-Paket“ zusammengeschnürt  auftaucht  was auch noch den Vorteil hat, dass dies die Kritiker  dieses binnenkolonialen Wahnsinns (bzw. Warensinns) hübsch gegeneinander aufbringt.

Anderseits waren die von Gewerkschaftsgruppen, NGOs und Indigenen-Vertetern bevölkerten Foren des „Völkergipfels“ auch Begegnungsstätten, deren soziokulturelle Produktivität schwer zu bestimmen ist und vielleicht nicht unterschätzt werden sollte.  Und sie kann auch mit all ihren halben  Halbheiten und politischen Skurilitäten  als ein historisches Wetterleuchten gesehen werden. Als Vorzeichen eines wirklichen Redens „der Völker selber“ , die  sich innerhalb der nächsten Jahrzehnte tatsächlich anschicken könnte, den Anspruch zu erheben, über die Entwicklung und den Einsatz der (welt-)gesellschaftlichen Produktionsmittel  auch als eine (Welt-)Gesellschaft entscheiden zu können.

Vielleicht ginge so etwas wie eine Welt-Zukunftswerkstatt der Art, dass in regionalen bis überregionalen Debatten zunächst die gemeinsam zu bewältigenden Herausforderungen herausgearbeitet und Vorschläge  entwickelt werden, wie das jeweils angegangen werden kann, wie notwendig zutage tretende Zielkonflikte bewältigt werden können, inwieweit nationale oder regionale Nachhaltigkeitsstrategien Teil der Problemlösung sein können, wie z.B. nationale Umbauprogramme finanziert werden könnten usw.  Foren, die schließlich in Gipfeltreffen führen, die zumindest wesentlichen Institutionen „der Völker“ auch repräsentieren.  (Vielleicht ist der jüngst in Berlin stattgefundene gemeinsame Transformationsgongress des DGB, des Evangelischen Entwicklungsdienstes, des Deutschen Naturschutzringes u.a.  eine Plattform, aus der heraus sich so etwas entwickeln könnte)

Gruß hh

Nachtrag am 3.6.13: Zu einem zentralen Ansatzpunkt einer solchen Projektbildung könnten sich die anlaufenen Prozesse zur Bestimmug von UN-Nachhaltigkeitszielen entwickeln, die nach 2015 die Millenium Development Goals ersetzen sollen. Hier müsste es neben der notwendigen Einflussnahme auf die UN-offiziellen Zielbestimmungen zu einer Verständigung zwischen sozialer Emanzipation und Wissenschaft kommen – daüber, was nach wissenschaftlich ermittelten Stand der Dinge zur Bewältigung der diagnostizierten Herausforderungen getan werden muss und kann. Aber würde das nicht nur zu einem neuen Produktionszyklus für unverbindliche Nachhaltigkeitslyrik?  Der Fokus zivilgesellschaftlicher Bemühungen um die Formulierung und UMSETZUNG hinreichend wirksamer Nachhaltigkeitsziele muss auf die ökologische Reform des Welthandelsregimes liegen mit dem Ziel,  dass Raubbau nicht länger Konkurenzvorteil bleibt, d.h am Markt belohnt wird.  Das könnten etwa nach einem ökologischen bzw.  sozialen Referenzsystem gestaffelte Zölle  sein,  die zentral erhoben werden und einen UN-Nachhaltigkeitsfond speisen, mit dessen Hilfe nationale oder regionale Programme zur Umsetzung der gefundenen Nachhaltigkeitsziele finanziert werden.

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One Response to Projekt Menschliche Gemeinschaft

  1. hhirschel sagt:

    Habe den Beitrag heute leicht überarbeitet und ergänzt.

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