Das COMMONS BUCH

Ein notwendiger Hinweis:

Das von der Böllstiftung  und der Commons-Expertin Silke Helfrich herausgegebene  400 Seiten starke Lesebuch, in dem 90 Autor_innen aus 30 Ländern unter anderem darüber aufklären, was mehr wird wenn wir es teilen, ist natürlich ein MUSS.  Werde mich hier also nach und nach mit seinen einzelnen Beiträgen auseinandersetzen.

Als gedruckte Buch erhält man es gegen eine »Bereitstellungspauschale« von 24,80€ bei der Böll-Stiftung,  zum selben Preis auch beim Transcript-Verlag oder kostenlos als PDF-Download unter einer Creative-Commons-Lizenz (by-sa).

Bald also mehr

Auf Keimform ist der von Ugo Mattei beigesteuerter Text „Die Ursprünge der modernen Wissensordnung“ wiedergegeben.  Dessen „antirationalistischer“ Blickwinkel provoziert Nachfragen

Eine interessante Besprechung gibt es im Südewsfunk

Silke Helferich und Heinrich Böll Stiftung: COMMENS Rezension von Martin Zähringer SWR2 Forum Buch, 26.8.2012 | 8:23 min

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2 Responses to Das COMMONS BUCH

  1. hhirschel sagt:

    Einen ersten Kommentar:

    Silke Helfrich und David Bollier schreiben auf Seite 15

    „Diesen Märkten sind die Staaten, am Steuer eines umweltzerstörenden Wachstums stehend, verpflichtet.“

    Die Staaten sind den Märkten allerdings nicht nur verpflichtet. Sie sind von den Markterfolgen der Steuern und Sozialabgaben generierenden Unternehmen existenziell abhängig. Und sie mögen zwar eine schicke Kommandobrücke bereitstellen, doch „am Steuer eines umweltzerstörenden Wachstums“ können die jeweiligen Regierungen nur mehr oder minder dumm herum stehen. Theoretisch könnten sie das Wachstum dieser oder jener Umweltzerstörung etwas eindämmen durch eine geeignete Besteuerung, gesetzliche Auflagen und deren Kontrolle usw. Aber sobald das Unternehmensgewinne, Arbeitsplätze usw. (also notwendige Steuereinnahmen und Wählerstimmen) gefährdet, ist es damit in der Regel vorbei.

    An die kapitalistische Wachstumsautomatik kommen die Regierungen schon gar nicht ran. Das Wachstum wird eben von Markt gesteuert und zwar auf Grundlage des Produktionsgeschehens, deren sozialer Treibstoff bekanntlich der private Profit ist. Der kann bei (für alle Konkurrenten) einigermaßen gleichen Lohnkosten nur erhöht werden, indem ein Unternehmen die eigene Produktion beschleunigt oder neue Produkte entwickelt, mit denen es neue Bedürfnisse befriedigen (oder auch wecken) kann. Im ersten Fall können die eigenen Produkte bei gleichem oder gar vermehrtem Profit etwas günstiger als von der Konkurrenz angeboten werden und es wird mehrabgesetzt. Im zweiten Fall kann aufgrund der besonderen Wettbewerbsfähigkeit mittels qualitativen Wachstums, Imagegewinn usw. auch mehr als der Durchschnittsprofit realisiert werden.

    Hat die Konkurrenz gleich gezogen oder ihrerseits mit neuen Produktivitätsfortschritten oder Produktinnovationen vorgelegt, müssen, da im gesamten Mittel weniger Arbeitszeit investiert werden muss, ALLE Marktkonkurrenten mit den Preisen runter (was allerdings nicht immer zum Tragen kommt, z.B. wenn die neuen Investitionen höher ausfallen müssen, dies über Verschuldung finanziert werden muss, Löhne erhöht werden usw., was wiederum zur Vermeidung einer Deflation im gewissen Sinne auch wieder systemnotwendig ist).

    Im Allgemeinen müssen jetzt allerdings für den gleichen Profit mehr Produkte verkauft werden. Das gelingt auch nichtselten, denn die Produkte und deren Preise sind ja nun wieder eine Runde „geiler“ geworden, womöglich konnte mit den Löhnen auch die Kaufkraft erhöht werden. Auch die – ebenfalls gegeneinander konkurrierenden – Nationalstaaten haben wieder eine Aufgabe indem sie etwas tun, das hilft, für die heimischen Unternehmen neue Märkte zu erschießen.

    Diese systemische Wachstumsnötigung ist durch nichts und niemand aufzuhalten solange frei gegeneinander konkurrierende Unternehmen und die von ihnen abhängigen Nationalstaaten das Geschehen bestimmen. Der gleiche Mechanismus zwingt zur Wirtschaftskonzentration. Wachse oder Weiche ist die grundlegende Existenzbedingung kapitalistischer Produktionsagenturen.

    Und genau das macht ja den Kapitalismus für so viele so attraktiv. Das ist die Basis der ungeheuer (!) gestiegenen Möglichkeiten, chic zu essen, chic zu wohnen, chic Auto zu fahren, schicke Lokale zu besuchen, sich chic anzuziehen, einen interessanteren Beruf zu ergreifen als die vor- und vorvorherigen Generationen, sich besser zu bilden, mehr Zeit und Muße zu haben, einen persönlichen Geschmack auszubilden, mehr Kunst zu konsumieren oder sogar selbst zu produzieren usw.

    Und weil sich die kapitalistischen Verhältnisse der Menschen schließlich „hinter den Rücken der Akteure“(Marx) herstellen (oder drunter) kann alles das auch noch in aller einkaufsparadiesischen Unschuld genossen werden ohne dass man sich von den linken Moralisten mit ihrem Gerede von den Grenzen des Wachstums etwas vorschreiben lassen müsste. (Hinzu kommt: Jedesmal, wenn die Produktionskosten gesenkt werden können, und sei es durch schnöden Raubbau, erscheint das dem Produkt aneignenden Part als Erhöhung des Äquivalent für die eigene Leistung (oder als ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit. Siehe „Sind wir des Warensinns“)

    Moderne Commons sind da schon eine interessante Perspektive. Zunächst entstehen auch sie – wie sonst – auf Basis kapitalistischer Effizienz. Für den privaten Profit überflüssig gewordene Zeit- und Kraftreserven dienen urplötzlich der reinen Freude am gemeinsamen Schaffen nützlicher Dinge und verbinden sich mit der wiederentdeckte Neugierde darauf, wie es lokalen Gemeinschaften ganz ohne Privatunternehmen, Staat und Markt gelang (oder noch gelingt) Existenzsicherung und Bereicherung sozial bzw. ökologisch nachhaltig zu gestalten.

    Meine Hoffnung gilt allerdings der Möglichkeit, dass die neu entdeckten Interessen und Fertigkeiten in nicht allzu ferner Zeit auf die Kerne des weltweiten Wirtschaftens zurück wirken. Inklusive seiner global agierenden Möbelhäuser, Lebensmittelkonzerne oder Chemiebuden. Ein weltweites Commoning! Das sollte schon sein. Schon, weil ein richtiges Leben im falschen nicht geht.

    Gruß hh

    PS. Dass ein weltweites Commoning derzeit noch kaum denkbar scheint, ist übrigens nicht zuletzt auch daran zu erkennen, dass sich gegen „das Wachstum“ empört wird statt zu fragen, wie wir es hinbekommen, in weltweiten Abstimmungsprozessen darüber zu entscheiden, was wo wie weit oder wie lange noch wachsen und was wo wie weit schrumpfen soll.

  2. hhirschel sagt:

    Ein zweiter Kommentar zur Einleitung:

    „Markt und Staat verfolgen oft eine gemeinsame Vision von technologischem Fortschritt und Wettbewerb, (zumeist) eingebettet in ein liberales, nominell demokratisches Gemeinwesen, dessen Kern individuelle Rechte und Freiheiten sind. In dieser gemeinsam konstruierten Weltsicht ist die Rollenverteilung komplementär, aber das Bemühen gleich: (de facto unerreichbares) Endloswachstum und Konsumentenzufriedenheit.“

    Seite 17

    Hier wird nicht von der wirklichen Geschichte bzw. Vorgeschichte des Kapitalismus ausgegangen (als deren Funktionselemente sich „Staat“ und „Markt“ entwickelten) sondern wohl eher von einem inneren Bedürfnis nach einer Dämonisierung von „Markt und Staat“. Dass diese Visionen und eine gemeinsame Weltsicht konstruiert haben sollen, als seien sie strategisch denkenden und operierende Wesen, ist schon eine sehr skurile Darstellung. Noch rätselhafter ist die Behauptung, dass sich die von „Markt und Staat“ gebackenen Visonen in „ein liberales, nominell demokratisches Gemeinwesen“ eingebett haben. Dass Markt und Staat sich das alles ausgeheckt haben, um „Endloswachstum und Konsumentenzufriedenheit“ zu produzieren, zeigt, wie sehr die ganze Darstellung aus dem eigenen Bauchgrummeln abgeleitet ist.

    Das ist leider sehr ernüchternd. Bei aller Hochachtung für Helfrichs wertvolle Pionierarbeit, aber das ist wirklich ärgerlich. Solch Unernsthaftigkeit entwerten das Unternehmen. Für künftige Auflagen sollte vielleicht der Rat geschichtswissenschaftlich versierter Fachleute eingeholt werden.

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