Auch Liberale? „So oder so“ rot war gestern.

11. Februar 2008

Wolf Bierman

„Auch Liberale werden wir befreien! So soll es sein. So soll es sein! So wird es sein!“

Es war ein typischer Biermann-Song der 70er Jahre: „So oder so, die Erde wird rot!“ („Entweder lebend rot oder tot rot!“). Der Optimismus war intelligent gebrochen. So etwas wie ein Argument lag in der Luft. Das Lied war gewiss kein Gewissheits-Agit-Prop!

Oder? Drohende Katastrophen ins Feld zu führen hat allerdings einen Nachteil. Es bleibt unklar, ob die Verhältnisse wirklich nur die Wahl zwischen „rot“ und tot“ lassen, oder wieder nur der autoritäre Zeitgeist die Regie führt für ein neues starkes Stück linker Anmaßung.

Dass Biermann die Erde in keinerlei Weise mehr „rot“ wünscht, kann – aus heutiger Sicht betrachtet – wohl als ein Fortschritt gesehen werden. Das „Argument“ war nur ein Todschlagargument. Der aus dem Song sprechende Eifer berührt – auch heutige Linke – eher peinlich! Man möchte fast froh sein, dass es weder so noch so sondern eben so kam, dass liberale Ideen den Sänger mitsamt eines Großteils seines einstigen Publikums von den einstigen Flausen befreiten.

Denn was all die „linke“ Durchhaltemusik bis dahin selten ahnen ließ: mehr Sozialismus kann es nur nur infolge frei willigen, individuellen (!) Begeherens nach sozialer Emanzipation geben. Wer waren „wir“, die „Libereale befreien“ wollten?

Wäre „linker“ Anti-Individualismus mit seinem Schreckgespenst einer „zunehmenden Individualisierung“ bereits damals auf dem Rückzug, hätten wir vielleicht gesungen:

Auch Liberale werden sich befreien!

Das ergäbe immerhin Anhaltspunkte für Diskussionen. Man könnte danach fragen, wovon sich Liberale denn nun konkret befreien sollten, wenn man ihnen angesichts schmelzender Polkappen zuruft:

Wer will, dass die Freiheit bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt!

Und nun?

Ja, fragen wir doch mal: Von welchen Freiheitsideen (und bornierten Klassenkampfstandpunkten) sollte sich der flotte Guido und die Seinen befreien?

Aber was will man einem Verein empfehlen, der sich grad in der politologischen Nische des Anti-Ökologismus räkelt – und sich dadurch im eigenen Populismus á la „Mein Geländewagen fährt auch ohne Wald!“ einigelt und deshalb auf die Fortdauer des Bedürfnisses nach kleinkindtrotziger Leugnung unangenehmer Wahrheiten angewiesen ist.

hhirschel

Advertisements

Umweltverbesserung Leitwährung einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation?

4. Februar 2008

„Vom Standpunkt einer höhern ökonomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen.

Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind“ [Anm. hh: vom Standpunkt einer höheren Gesellschaftsform aus betrachtet] „nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“

Marx: Das Kapital, MEW Bd. 25, S. 784