Kommunismus in seiner schlichten Bedeutung als eine das Gemeinsame (auf eine freiheitliche Weise) herstellende Bewegung oder perspektivisch gesehen eines Weltsystems kollektiver Selbstbeherrschung, das es den Individuen und ihren Institutionen erlaubt, Produktion, Konsum, Kultur und gesellschaftliche bzw. ökologische (Mit-) Verantwortung rational, d.h. auf Basis weltgemeinschaftlicher Abstimmungsprozesse zu regeln, scheint ja nun doch wieder im Kommen. Eines der hier und da aufblitzenden Zeichen für so einen gesellschaftlichen Neustart scheint das Buch “Commonwealt” von Toni Negri und Micharel Hadt zu sein. Darauf deutet zumindest das Interview des “Prager Frühlings” mit dem Mitautoren des “Commonwealth” Michael Hardt hin. Da ich nicht weiß, ob ich jemals dazu kommen werde, mich durch diesen Wälzer durchzubeißen, (meine To Read List ist eh schon lang genug) bin ich doch recht dankbar für diesen kleinen Einblick in das derzeit Vieldisktierte.
Michael Hardt meinete in dem Interview folgedes:
Um den Kommunismus neu zu begründen, schlagen Toni und ich vor, mit der Perspektive des Gemeinsamen (Common) zu starten. Es bezeichnet Formen des Wohlstands (Wealth), den wir auf offene Art und Weise teilen. Einerseits sind die Erde und ihre Ökosysteme wie Wasser, Luft und Boden Gemeingüter – oder sollten es zumindest sein. Wir teilen alle die Vorzüge dieser Elemente und teilen auch die Folgen von steigender Umweltzerstörung. Auf der anderen Seite sind die Resultate der immateriellen Produktion, wie Ideen, Sprachen und Affekte Gemeingüter, also Commons. Wir meinen mit den Commons in beiden Hinsichten Gemeingüter, die weder Privateigentum noch Staatseigentum sind. Die Gemeingüter sind die Basis dafür, den Kommunismus neu zu denken.”
Kein schlechter Gedanke! Er sollte vertieft werden
. Kommunismus ist ja nicht nur neu zu denken, sondern auch tatsächlich neu zu machen, d.h. als eine neue Perspektive sozialer Bewegung zu entwickeln, die aus sich selbst heraus, d.h. aus der eigenen Existenzbedingung heraus keineswegs im Programm hat, das kapitalistischen Füreinander zum ökohumanistischen Miteinander zu machen.
Nur sollte m.E. nicht der Fehler gemacht werden, sich Commons idealistisch als schon vorhandend vorzustellen. Das hieße ja, dass bereits jetzt (welt-)gemeinschaftlich über deren Nutzung und Pflege entschieden werden könnte. Produktivkräfte wie Sonnenschein, Software zur Erechnung eines Speicher – und Einspeiseoptimums für Solarenergie oder die steigende Möglichkeiten, Produktivitätsfortschritte in Industrie und Landwirtschaft, wie z.B. in der Energieversorgung und -nutzung, können womöglich das erste Mal in der (Vor-)Geschichte der Menschheit wirklich einer (welt-)gemeinschaftlichen Kontrolle bzw. Steuerung unterworfen werden. Aber die Notwendigkeit wie auch die Möglichkeiten dessen bzw. von sozialer Bewegung in eine solche Richtung, müssen tagtäglich neu herausgearbeitet und in soziale Energie verwandelt werden.
Das ist auch deshalb nicht einfach, weil die Perspektive eines nicht privat und nicht einmal staatlich regulierten Miteinanders sich eben nicht nur in Commons-Nischen entwickeln sondern eben auch innerhalb des privateigntümlich bzw. staatlich vermittelten Füreinanders – z.B. als Einschränkung privater Willkür bzw. marktwirtschaftlicher Belohnung auch von Raubbau bzw. entsprechendem Ausbau sozialer Kontrolle.
Abgelegt unter: Ökosozialismus, Gesellschaft, Globalisierung, Kommunismus, Menschwerdung, Produktionszweck, Produktivkräfte, Sozialismus als Prozess, Zukunft | Kommentar schreiben »